7. März 2023

Die leidigen Fahrradschlösser

Sie sind ein ungelöstes Problem, dessen sich die Fahrradindustrie auch gar nicht annimmt. Man muss sie immer extra dazu kaufen. Und es gibt für sie eigentlich keinen guten Platz am Fahrrad. 

Und sie sind umständlich zu handhaben. Wir transportieren sie in Taschen und müssen sie herauskramen. Immer müssen wir viele Handgriffe tun, um ein Fahrrad ab- und wieder aufzuschließen. Fast immer müssen wir uns dabei bücken. Eigentlich erstaunlich, dass die Fahrradindustrie sich so gar nicht dafür interessiert, wie wir unsere Fahrräder gegen Diebstahl sichern können und nicht längst serienmäßig Schließsysteme ins Fahrrad integriert hat. Jedes Auto und jedes Moped kann einfach abgeschlossen werden, aber ein Fahrrad nicht. Da kramen und bücken wir uns und fummeln herum. 

5. März 2023

Radfahren triggert

Ich habe schon oft darüber geschrieben, dass das Fahrrad das dritte Element zwischen Auto- und Fußverkehr ist und deshalb hin- und hergeschoben und von Autofahrenden und Fußgänger:innen als störend empfunden wird. 

Der Radentscheid Bonn hat auf seiner Seite dem Gedanken unter dem Titel "Radfahren triggert - Und das ist auch gut so" einen Aspekt hinzugefügt, den ich interessant finde. Ausgangspunkt ist die Frage, warum Radfahrende Irritationen (manchmal sogar Aggressionen) auslösen. Wenn sie mit dem Rad etwas tun, was andere nur mit dem Auto tun, zum Beispiel den Wochenendeinkauf machen oder ins Büro fahren oder zum Opernbesuch, wird dieses Verhalten vom Autoabhängigen als abweichendes Verhalten bemerkt und irritiert zumindest unbewusst. Es ist aber nicht komplett absurd, sondern eigentlich vernünftig, und deshalb löst es bei etlichen eine Selbstrechtfertigungsreaktion aus. Schließlich ist ja allen bekannt, dass Radfahren besser für die Umwelt, für den von Autos vollgestopften Stadtverkehr, für einen selbst und für die eigenen Kinder ist. Und fast alle teilen den Wunsch nach einer weniger autogerechten und ruhigeren Stadt. Allerdings müssten sie dafür ihre eigenen Gewohnheiten ändern. Und das tun die meisten Menschen nicht gern. Radfahren löst dann bestimmte Abwehrmechanismen aus, es triggert. 

3. März 2023

Prinz Harrys Enthüllungsbuch und das Radfahren

Es ist schon eine Weile her, dass sich die Öffentlichkeit über Prinz Harry und sein Enthüllungsbuch den Kopf zerbrach. Und mit Radfahren hat das ja nun gar nix zu tun. Oder doch? 

Die Zeit ließ Patrik Schwarz darüber nachdenken, inwiefern der Gestus des Buchs symptomatisch für die Rechthaber-Schlachten unsere Zeit sei. Der Artikel ist am 11. Januar unter dem Titel "Das Prinzip Harry" erschienen und befindet sich leider hinter der Bezahlschranke. Und mit Radfahren hat er nichts zu tun. Doch, hat er.  

1. März 2023

Das Fahrrad hat den bequemsten Kofferraum

Hinter dem Kassentresen werkelt die Verkäuferin oder der Verkäufer, scannt den Preiscode, tippt in die Kasse, legt alles hübsch zusammen und bückt sich routiniert nach der Einkaufstüte (heutzutage aus Papier und sperrig). Und dann entspinnt sich ein immer ähnlicher Dialog. 

"Ich brauche keine Tragetasche, vielen Dank", sage ich. Besorgnis bis Entsetzen in den Augen hinter dem Tresen. "Aber dann packe ich sie Ihnen die Sachen wenigstens ein", sagt sie/er. "Vielen Dank, aber das ist nicht nötig", sage ich. Ja will  die Kundin jetzt wirklich mit den Jeans, Schuhen oder dem Pullover unterm Arm durch die Straßen wandern? "Mein Rad steht vor der Tür", erkläre ich deshalb manchmal, obgleich ich vermute, dass sich für sie nicht erschließt, warum ich keine Verpackung brauchte. Nie fragt jemand nach. Letztlich ist es ihnen vermutlich egal. 

27. Februar 2023

Kürzestradstreifen

Es gibt einige blitzkurze Radstreifenelemente in Stuttgart, darunter der in der Leuschner Straße, einem Sträßchen parallel zur Schlossstraße, wenn man sich der Büchsenstraße nähert. 

Solche Markierungen wirken zwar irgendwie lachhaft, sind aber durchaus hilfreich und zeigen, dass die Stadt Radfahrenden Übergänge von und auf Gehwege erleichtern will. 

Die Leuschner Straße ist für uns freigegebene Einbahnstraße in Gegenrichtung, noch teils mit Kopfsteinpflaster versehen und eng. Radelt man auf die Ampelanlage an der Büchsenstraße zu, stößt man darauf. Der Schipsel soll uns auf den Gehweg und zur Fußgängerampel leiten. Wenn wir nach links Richtung Holzgartenstraße abbiegen wollen, müssen wir bei Fußgängergrün auf den Aufstellplatz hüpfen, das Rad händisch um 90 Grad drehen und auf Autogrün warten. 

25. Februar 2023

Radfahren ist die energieeffizienteste Fortbewegung

Radfahren braucht noch weniger Energie als das zu Fuß Gehen, es ist sogar effizienter als die Fortbewegung von Tieren. 

Das Radfahren ist energetisch etwa fünfmal so günstig wie das Gehen und erlaubt dabei die doppelte Geschwindigkeit. Das geht aus Berechnungen der Uni Münster hervor. Die Energie, die wir dafür brauchen, beziehen wir aus der Nahrung und damit aus nachwachsenden Rohstoffen. Lässt sich eine Person in einem Auto transportieren, dann schafft sie mit der gleichen Energiezufuhr 85 Meter, mit der ein Radfahrer fast 5 km weit kommt. Der Energiebedarf ist um den Faktor 36 höher. Und das Auto braucht dafür meistens fossile Brennstoffe. 

23. Februar 2023

Wissenschaftlich nachgewiesen: Schnelles und enges Überholen ist gefährlich

Es ist wohl bezeichnend für unsere autohörige Gesellschaft, dass wir etwas wissenschaftlich nachweisen müssen, was wir eigentlich alle wissen, weil es zu unseren Grunderfahrungen gehört. 

Fährt etwas Großes schnell und dicht an uns vorbei, dann gibt es einen Rums. Das liegt am Luftdruck, der erst vom Gefährt vor sich hergeschoben wird und uns trifft und plötzlich in den Sog umschlägt, den das Fahrzeug hinter sich erzeugt. Wir kennen das, wenn wir am Bahnsteig stehen und und ein Zug durch den Bahnhof rauscht. Oder wenn ein Auto auf der Autobahn mit 250 an uns vorbeirast. Das knallt richtig. Genauso ergeht es Radfahrenden, an denen ein Auto vorbei ballert, je schneller und je dichter am Radfahrer, um so mehr Luftdruck und Sog schütteln uns durch, der Schock kommt noch dazu. Dass es stresst, ist klar, aber gefährlich ist es auch, denn ob man dabei immer den Lenker in der Spur hält, ist fraglich. Diesen Luftdruck-Effekt hat 2021 das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wissenschaftlich untersucht.

21. Februar 2023

Aus zwölf Gründen sind wir echt gut

Ich fürchte, wir müssen es nun zugeben: Radfahrende sind doch die besseren Menschen. 

Auch wenn es gar nicht in ihrer Absicht liegt, denn die meisten fahren Rad, weil es für sie selber Vorteile bringt. Dennoch tun wir der Gesellschaft viel Gutes. 

  1. Wir tun was gegen den Klimawandel. Wir bemühen uns, unseren Teil dazu beizutragen, dass weniger CO2 ausgestoßen wird. 
  2. Wir machen Städte lebenswerter. Wir nehmen weniger Platz ein, wir machen kaum Lärm und haben keinen Blechpanzer um uns herum, sind ansprechbar und zeigen uns als lebendige Menschen. 
  3. Wir sind gut für den Autoverkehr. Denn wer Rad fährt, ist nicht mit dem Auto unterwegs und entlastet so die Straßen, auf denen dann die besser durchkommen, die mit den Auto fahren wollen oder müssen. Währen alle, die heute Radfahren, in Autos unterwegs, käme der Stadtverkehr schnell zum Erliegen. 

19. Februar 2023

Zum Wiederlesen: Radler:innen löst euch in Luft auf!

Wenn Radfahrer:innen auf Fahrbahnen fahren, empfinden eingefleischte Autofahrende das als Demonstration. Wenn sie auf Gehwegen fahren, schimpfen Fußgänger:innen darüber, dass Radler überall fahren und keine Rücksicht nehmen.

Viele sind aber auch gegen Radstreifen auf Fahrbahnen. Und man will es zugleich den Fußverkehr in der Stadt stärken und Fußgänger:innen mehr Platz geben. Und schwupp, sind wir Radfahrende schon wieder außen vor. Man will uns nicht haben, weder auf Fahrbahnen, noch auf Gehwegen.

Radfahrende sind die Lästigen, die Bösen, die Ideologinnen, die Kampfradler, die Vogelfreien, die Gehassten, die Gejagten, die Verscheuchten, die Unerwünschten. Löst euch gefälligst in Luft auf! Existiert nicht!