17. Januar 2024

Ist das schrecklich!

Das stieß ein mir fremder Radfahrer neben mir hervor, als wir diese Hoppelstrecke beim Brunnen am Landtag Richtung Planie radelten. 

"Ist das schrecklich!", murmelte er, als wir uns durch Fußgänger:innen bremsten und schlängelten und über schiefe Platten hopsten. Er war wohl nicht von hier, er wunderte sich noch, dass sich auf der Hauptradroute 1, der meistberadelten Strecke Stuttgarts, solche Engstellen mit seit Jahren kaputtem Pflaster befinden. Echt? So was mutet man ernsthaft in Stuttgart Radfahrenden zu? 

Für den Akademiegarten am Landtag ist das Land (Finanzministerium) zuständig. Dem ist es offensichtlich ziemlich egal, wie die Haupradroute 1 auf seinem Terrain aussieht. Wenn die Stadt so blöd ist, die Hauptradroute durch den Schlossgarten zu führen, dann ist das halt so. Dann müssen Radfahrende eben mit Unbillen des Untergrunds und Hindernissen klar kommen. Sie müssen auch mit der Tatsache klar kommen, dass zwischen hier und dem Ferdinand-Leitner-Steg hinter der Oper Fußgängerzone herrscht, die für den Radverkehr nur freigegeben ist, also: SCHRITTGESCHWINDIGKEIT!

15. Januar 2024

Rosensteinbrücke ab heute auch für Radfahrende gesperrt

Die siebzig Jahre alte erste Spannbetonbrücke Stuttgarts, die Rosensteinbrücke, ist leider durchgerostet und nicht mehr reparierbar. Sie muss abgerissen werden. Die Vorarbeiten beginnen heute. Damit sind auch die Rad- und Fußwege gesperrt. 

Für den Autoverkehr ist sie schon eine Weile gesperrt. Die Stadtbahnschienen wurden abgebaut, um die Brücke zu entlasten. Jetzt müssen alle weiteren Fahrbahnauflagen von der Brücke entfernt werden, damit man sie zerlegen kann. Vermutlich im Sommer, wenn der Neckar regulär für drei Wochen für die Schifffahrt gesperrt wird, wird die Brücke abgerissen. Für den Übergang über den Neckar bleibt uns Radfahrenden in der Gegend dann nur die Wilhelmsbrücke und der Steg unter der neuen Eisenbahnbrücke oder der Mühlsteg. 

Danach wird es eine Behelfsbrücke geben.

13. Januar 2024

Die Verkehrs-Hierarchie

Ganz oben stehen die Autofahrerinnen und Autofahrer. Das erkennt man daran, dass sie ungestraft übergriffig sein dürfen. 

Wie selbstverständlich stellen sie ihre Fahrzeuge auf Gehwegen ab, dringen also in den Raum der Menschen ohne Auto ein. Das tut auch dieser Mopedfahrer, der sein Gerät auf dem Zugang zum Zebrastreifen abgestellt hat, um schnell in einen Laden zu gehen. Obgleich Parkplätze für Mopeds ja nun wirklich leichter zu finden sind als für Autos. 

Alle, die etwas fahren, was vollständig durch einen Motor bewegt wird (auch E-Scooter-User), beanspruchen den Platz, der eigentlich anderen zusteht. Ohne Respekt, also voller Verachtung für uns zu Fuß oder auf Fahrrädern. Kinder quetschen sich zwischen Hecke und Auto durch, Menschen mit Kinderwagen müssen auf die Fahrbahn runter. Rollstuhlfahrende sind ganz aufgeschmissen. Egal, Hauptsache das Auto steht so, dass es keine anderen Autofahrenden behindert (ausgenommen natürlich Müllabfuhr oder Feuerwehr).

11. Januar 2024

Schulwege in Stuttgart sind zugeparkt

Die Kidical Mass hat erneut Schulwege untersucht und die Stuttgarter Zeitung hat in einem ausführlichen Artikel die fünf gefährlichsten Schulwege in Stuttgart dokumentiert. 

Während der Artikel der StZ hinter der Bezahlschranke steckt, kann man den mit vielen Bildern anschaulich gemachten Bericht der Kidical Mass hier nachlesen. 

Das größte Problem sind falsch geparkte Autos.  Solche, die auf Gehwegen stehen und sie schmaler machen, vor allem aber solche, die die Kreuzungsecken zuparken. Die KM zählte bei 13 Schulwegchecks 157 schwerwiegende Parkverstöße in Relation zu 166 problematischen Stellen. Wenn Autos auf den Ecken parken, wo Kinder die Straßen überqueren müssen, dann sehen die Kinder nicht, was von rechts oder links kommt, und Autofahrende sehen die Kinder ebenfalls nicht, weil sie zwischen meterhohen Autos verborgen sind. Die Stuttgarter Zeitung hat die Polizei gefragt, wie sie das sieht und zur Antwort erhalten, "dass eine Häufung an Verkehrsunfällen, an denen Kinder beteiligt seien, auf den benannten Schulwegen nicht belastbar darzustellen sei." 

Das ist ein schlechtes Argument. Denn es muss ja nicht erst etwas passieren, damit man Maßnahmen ergreift, die das Risiko verringern, dass etwas passiert. Solange warten wir in anderen Lebensbereichen auch nicht. 

9. Januar 2024

Schaffen Blinker am Fahrrad mehr Sicherheit?

Blinker am normalen Fahrrad sind verboten. Und wenn man welche hinten am Helm hat (nicht verboten) muss man trotzdem die Hand rausstrecken. Das soll sich ändern. 

In den letzten Tagen gab es Medienmeldungen, wonach geplant ist, Blinker auch für einspurige Fahrräder zu erlauben. Wenn ich mich die Alte Weinsteige runterbremse und dann abbiegen will, nehme ich keine Hand vom Lenker. Wenn ich Blinker hätte, die ich dann betätigen könnte, wäre das nicht schlecht. Allerdings sollten die Knöpfe für den Blinker dann auch mit dem Finger oder Daumen erreichbar sein, ohne dass ich die Hand vom Griff (und der Bremse) nehmen muss. Es nützt nichts, wenn die Knöpfe in der Mitte am Lenkrohr platziert sind (so wie bei diesem Modell). 

Es wird vor allem die Frage sein, wo die Blinker angebracht sein müssen.

7. Januar 2024

Auch moderates Radfahren macht Menschen jünger

Dass Radfahren gesund ist für Körper und Geist, wissen alle, die regemäßig Rad fahren. Die anderen, die das nicht tun, zucken mit den Achseln und steigen ins Auto.

Die einen sind zu jung, um an die Gesundheit zu denken, die andern fühlen sich zu alt für das Abenteuer auf dem Fahrrad in der Großstadt, und wieder anderen trotzen jeglicher Vernunft. Es wäre aber gut für alle, sich im Alltag mehr zu bewegen und Radfahren ist das einfachste Mittel. Vieleicht kann man manche Menschen  mit der Aussicht locken, dass Radfahren - und zwar auf eine moderate alltagstaugliche Art - offenbar konkret die Zellen verjüngt und die Alterung deutlich bremsen kann. Darüber hat die Zeit schon 2018 berichtet, was mir damals offenbar entgangen ist. 

Zunächst einmal erwies sich in eine Studie  der Medizinischen Hochschule Hannover das Pedelec-Fahren als genauso effizient wie Normalradfahren.

5. Januar 2024

Neues Waldgesetz betrifft auch uns Radler:innen

Derzeit wird im Bundeslandwirtschafts-Ministerium ein neues Waldgesetz erarbeitetet. Es liegt ein sogeannter Referentenentwurf vor, der Mitte November in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurde. 

Ein Referentenentwurf ist kein Gesetzentwurf, sondern eine Diskussionsgrundlage auch für Verbände, und es kommt nie genau so, wie es da drin steht. Im Wesentlichen geht es in dem Gesetzesvorhaben um den Wald, um Forstwirtschaft und beispielsweise Wildabschuss. Zwei Paragrafen sind für uns Radfahrende, aber auch für Fußgänger:innen, jedoch von Bedeutung. 

Der Paragraf 29 regelt, wer sich im Wals wie aufhalten darf. Das Betreten des Waldes auf eine natur- und gemeinverträgliche Weise ist grundsätzlich erlaubt, wenn man zu Fuß geht oder mit einem Rollstuhl unterwegs ist. Dies geschieht übrigens auf eigene Gefahr. Die Waldwege müssen nicht stolperfrei hergestellt werden.

Für Radfahrende dürfen Länder eigene Bestimmungen erlassen.

3. Januar 2024

Freundlichkeit im Straßenverkehr macht glücklich

Das neue Jahr hat begonnen: Zeit für gute Vorsätze. Mehr Freundlichkeit im Straßenverkehr wäre einer, der es wert ist, erwogen zu werden. Dass Freundlichkeit einen selbst glücklicher macht, hat eine türkische Psychologieprofessorin belegt. 

Es begann mit der Erfahrung, dass sie glücklich aus einem Bus ausstieg, wenn sie den Fahrer oder die Fahrerin gegrüßt oder sich bedankt hatte. Sie stellte sich die Frage, ob glücklichere Menschen dazu neigen, sich sich freundlich kommunikativ zu verhalten, oder ob die Kommunikation selbst glücklicher macht, und machte ein Experiment. Busspassagier:innen bekamen vor der Fahrt die Anweisung, dem Busfahrer Danke zu sagen, zu lächeln und ihm, wenn möglich in die Augen zu schauen, oder aber wortlos auszusteigen. Danach befragte man sie, wie glücklich sie sich gerade fühlten. Die Freundlichen waren glücklicher als sie Neutralen. Ein paar nette Worte, die man anderen sagt, reichen aus, um die eigene Stimmung zu verbessern. 

1. Januar 2024

Abstand rettet Leben

Die Polizei in Bayern wirbt mit dem Slogan "Abstand rettet Leben" bei Autofahrenden dafür, sich des Überholabstands bewusst zu werden.

Der ist nämlich, wie auch viele unserer Autofahrenden in Stuttgart nicht wissen, viel größer als man denkt. Auf  6,5 Meter breiten Straßen muss man mit dem Auto mit allen vier Reifen auf die Gegenfahrbahn fahren, wenn man einen Menschen auf dem Fahrrad überholen will. Was an der Originalgrafik der Polizei in Bayern bemerkenswert ist, ist aber eigentlich etwas ganz Anderes. 

Der Radfahrer fährt genau in der Mitte der Richtungsfahrbahn. 

Das ist deshalb bemerkenswert, weil sehr viele Radfahrende (und sehr viele Autofahrende) immer davon ausgehen, Radfahrende müssten näher an den geparkten Autos entlang fahren als an der gedachten oder tatsächlichen Mittellinie der Fahrbahn.