Am Donnerstag, dem 20. März liefern sich zwei Männer Anfang 30 in Ludwigsburg ein Autorennen in teuren Autos und töten dabei zwei unbeteiligte Frauen in einem anderen Auto.
Ein Täter saß sehr schnell in U-Haft, der andere wurde
vier Wochen später gefasst und inhaftiert. Die Leit-Medien (
TV, Hörfunk und alle Zeitungen berichteten kurz nach der Tat, teils s
ehr persönlich. Menschen legten an der Stelle des Zusammenstoßes Blumen nieder. Allerdings gab es keine Trauerbeflaggung und keinen Besuch des Ministerpräsidenten an der Tankstellenausfahrt. Diese Raserfahrt wird von uns und der Öffentlichkeit nicht als politische oder ideologisch basierte Tat behandelt, auch nicht als Kurzschluss zweier psychisch Kranker, sondern als Zufall, als Panne, als Seltenheit. Es gab keine Talkshows, in denen Tätergruppen identifiziert wurden (hier: zu schnell fahrende Männer unter 40) und über Konsequenzen gestritten und drastische Abhilfemaßnahmen vorgeschlagen wurden.
Die Presse kombiniert das Wort "Autorennen" auch immer mit dem Wort "illegales", so als gäbe es auf unseren öffentlichen Straßen legale Autorennen. Es wird, wie so viele andere auch, als schief gelaufenes Fahrmanöver behandelt, mit zufällig tödlichem Ausgang für andere Menschen, nicht als logische Konsequenz eines Systems, dass Autofahrenden auf unseren Straßen eine ungeheure Macht über andere einräumt: die Macht Lärm zu machen - auch absichtlich und übermäßig -, Geschwindigkeiten zu übertreten, die Räume von Fußgänger:innen zu besetzen (überall zu parken) und zu jeder Zeit alle anderen zu gefährden, die nicht in Autos sitzen (nicht auf Fußgänger:innen und Radler:innen achten beim Abbiegen, sich durch Handys ablenken lassen, zu schnell fahren). Immerhin will die Stadt Ludwigsburg dort jetzt
mobile Blitzer aufstellen und prüft Tempo 40. Warum erst jetzt? Warum überlässt man typische Raser-Strecken solange
der Gesetzlosigkeit (irgendwo müssen sich die Autonarren doch auch mal austoben), bis Menschen sterben?
Man könnte schon auch mal grundsätzlich überlegen, ob junge Männer so schnelle Autos überhaupt fahren dürfen sollten. Und was man tun könnte, um das zu verhindern. Eine Möglichkeit wären Sonderführerscheine für solche schnellen Autos erst ab 40 Jahre. Oder aber Nutzungsverbote für schnelle Autos, sobald ein Mann durch Missbrauch (Raserei) auch nur ein einziges Mal auffällt. Automatischer jahrelanger oder lebenslänglicher Führerscheinentzug ist auch eine Möglichkeit. Aber Prävention wäre besser (lebensrettend) als Bestrafung. Hilfreich wäre die Anerkennung, dass wir ein Sicherheitsproblem haben, das von Männern ausgeht.
Denn sind fast ausschließlich Männer, die sich Autorennen liefern und durch Städte oder über Autobahnen rasen. Sie töten dabei immer wieder Unbeteiligte. Die Opfer waren in diesem Fall zwei Frauen in einem weniger gepanzerten Auto. Die Opfer solcher Raserfahrten sind natürlich auch unbeteiligte Männer. Der Kommentator der Stuttgarter Zeitung stellt Ende März allerdings sogar den Femizid im Remseck, ebenfalls am 20. März, in einen Zusammenhang mit diesen beiden durch zwei Männer getöteten Frauen und schreibt: "Es fehlt an Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft. Zudem zeigt sich ein Männlichkeitsbild, das sich über andere erhebt, Risiken ignoriert, sich nimmt, was es will – selbst, wenn es Leben kostet."
Zufällig veröffentlichte der Spiegel wenige Tage vorher einen Artikel mit dem Titel: "Das Auto ist ein Werkzeug, um das Patriarchat am Leben zu erhalten." In den Untertitelzeilen heißt es: "Männer bauen Unfälle, Männer vergiften die Umwelt, Männer bremsen die Verkehrswende aus?" Mit Fragezeichen, denn diese Fragen werden von einer Frau dem Männerberater Boris von Heesen gestellt, der mit sehr vielen Zahlen und Fakten antwortet, kurz zusammengefasst: Männer fahren schnellere Autos, begehen mehr Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr, entziehen sich Kontrollen und töten viel öfter andere Menschen als Frauen das tun. Männer am Steuer kosten deshalb die Allgemeinheit auch sehr viel mehr Geld.