16. Januar 2026

Karten und Navis fürs Radfahren

Wenn ich mit dem Rad in eine mit unbekannte Gegend von Stuttgart radeln möchte, wie finde ich die Wege mit Radinfrastruktur und kann mir eine erste Orientierung verschaffen? 

Gleich vorneweg: Ich habe die ideale Navi-App fürs Fahrrad noch nicht gefunden. Komoot wurde Anfang letzten Jahres an ein italienisches Tech-Konglomerat verkauft. Sie  funktioniert jetzt nur noch über ein teures Wochenabo und ein etwas weniger teures Jahresabo. In den App-Stores werden Dutzende Tourenplanungs- und Navi-Apps angeboten, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Eine kostenlose oder billige Routenplanung und zuverlässige Navigation fürs Fahrrad auf dem Handy scheint es nicht zu geben. Wenn ich eine Strecke zur einem Ziel plane, wo ich noch nie war, oder mich verfahren habe und schnell Hinweise brauche, wie es weiter geht, dann benutze ich, wenn es dumm läuft, verschieden Apps. "Radfahren.de" mal aufgeschrieben, was Navis für bestimmte Zwecke können sollten, nennt aber keine Favoriten.

14. Januar 2026

Wie schützt man eine Fahrradstraße vor illegalem Pkw-Verkehr?

In Cannstatt an der Bahnhofstraße vor dem Bahnhof hat die Stadt einen Blitzer aufgestellt, der jedes Fahrzeug blitzt. Hinterher wird aussortiert, wer da fahren durfte - Busse, Taxis  und Lieferverkehr - und wer nicht. 

Der private Autoverkehr darf hier nicht mehr lang fahren. Für ihn gibt es ein Durchfahrtsverbot. Weil die Polizei erwartete, dass die Autofahrenden das Verbot massenhaft missachten und man außerstande sei, da ununterbrochen Polizisten hinzustellen, die das Verbot durchsetzen, hat man sich entschlossen, einen Blitzer hinzustellen. Er blitzte zunächst praktisch ununterbrochen, weil Autofahrende sich nicht vorstellen konnten, dass das Durchfahrtverbot für sie auch tatsächlich gilt. Und zwar immer. Ende Dezember hat dann jemand das Glas des Blitzers eingeschlagen. Und zum Jahresende verlangte der Datenschutzbeauftragte, dass das Ding wegkommt, aus Datenschutzgründen. Er hat Stuttgart, wie auch Tübingen in einem ähnlichen Fall, einen langen Fragebogen geschickt, wie die Stuttgarter Zeitung (Bezahlschranke) berichtet. 

12. Januar 2026

Farbiger Radstreifen und Grüner Pfeil helfen

In Stuttgart-West, wo die Herderstraße mit der der Botnanger Straße zusammentrifft, gibt es zwei kleine Verbesserungen für den Radverkehr, die durchaus etwas ausmachen. 

Kommt man vom Westbahnhof her und radelt die Herderstraße runter, trifft man an der T-Kreuzung mit der Ampelanlage jetzt auf Radstreifen, die frisch türkisblau markiert wurden. Diese Farbe hilft. Blogleser Matthias, der die Strecke ständig radelt, schreibt: "In den Vorjahren bin ich dort jede Woche von Rechtsabbiegern touchiert worden, seit der farblichen Markierung kein einziges Mal." Gefordert hat er das seit Jahren. Offenbar fällt es Autofahrenden leichter, die Radstreifen zu erkennen und Radfahrende zu respektieren, wenn sie blau leuchten. 

10. Januar 2026

Schwer zu deutende Anordnung

Vor sieben Jahren habe ich schon mal über diese Stelle und deren Beschilderung geschrieben. Es hat sich nichts geändert und die Fragen bleiben dieselben. 

Dieser Ampelmast mit seinen Verkehrszeichen steht an der Johannesstraße, wo es über die Schlossstraße geht. So sieht es an beiden Seiten der Einmündung Johannesstraße aus. Wir sehen einen Schildermast mit dem Vorfahrtachten-Schild und darüber dem Vorschriftszeichen "nach rechts abbiegen". Das heißt, alle, die hier fahren, müssen rechts abbiegen, sie dürfen weder geradeaus noch nach links fahren. Jetzt dürfen hier Radfahrende, Taxis und der Bus aber auch gerade aus fahren. Die Ausnahme wird aber nicht in einem Zusatzschild unter dem Rechtsfahrgebot geregelt. Es gibt vielmehr ein Geradeausfahrgebotsschild mit dem Zusatzzeichen "nur für Bus, Taxis und Fahrrad". An den Bahngleisen jenseits der Fahrbahn steht dann das Schild für "Busspur" mit einer Freigabe für Taxis und Fahrräder darunter. 

Und jetzt stellt sich die Frage für uns Radfahrende, aber auch für Taxifahrende: Dürfen wir auch rechts abbiegen? Schließlich sehen wir den Geradeauspfeil (als Gebot) für uns, Taxis und den Bus. 

8. Januar 2026

Schlecht geräumte Radwege in Stuttgart

Radfahren im Winter? Nö, das mag Stuttgart nicht so gern. Alle wichtigen Fahrbahnen sind frei von Schnee und Eis, die wichtigen Radwege nur sehr sporadisch. 

Ich musste gestern gegen elf Uhr durch die Stadt nach Cannstatt. Da war ein Räumfahrzeug schon durch meine steile Nebenstraße gefahren und ich durfte annehmen, dass die ebenfalls nicht so prioritären Radstrecken bearbeitet sind. Allemal die Hauptradroute 1. 

Das war aber nicht so, auch wenn die Fahrradstraße Tübinger Straße durch die Innenstadt Hoffnung gemacht hat. Doch aus der Marktstraße musste ich auf den Radweg zum Charlottenplatz einbiegen. Wie muss der ausgesehen haben, als morgens die Radpendler:innen unterwegs waren, wenn er gegen elf noch so aussah? 

Wer auch immer das Räumungskonzept für die die Radfahrenden in Stuttgart entwickelt hat, er oder sie mag weder Radfahrende noch hat eine Ahnung, wo es für sie wirklich gefährlich wird, wenn es glatt ist: bei Abfahrten, in Kurven und dort, wo sie bremsen müssen, also an Ampeln und auf Verkehrsinseln.  

6. Januar 2026

Der unsichtbare Zebrastreifen für Kinder

In Österreich gibt es seit 2019 den unsichtbaren Zebrastreifen für Kinder. Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass Autofahrende bremsen und anhalten müssen, wenn Kinder die Fahrbahn überqueren wollen. Immer und überall. 

Im Paragraf 29a der StVO Österreichs heißt es: "(1) Vermag der Lenker eines Fahrzeuges zu erkennen, dass Kinder die Fahrbahn einzeln oder in Gruppen, sei es beaufsichtigt oder unbeaufsichtigt, überqueren, so hat er ihnen das unbehinderte und ungefährdete Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Er hat zu diesem Zweck, falls erforderlich, vor den die Fahrbahn überquerenden Kindern anzuhalten."

Zwar ist es eigentlich selbstverständlich, dass Autofahrende anhalten müssen, wenn Kinder eine Fahrbahn queren, denn über den Haufen fahren dürfen sie sie in keinem Fall. Allerdings definiert die neue Regelung ein Prinzip: Autofahrende müssen auf Kinder achten, die auf Gehwegen gehen, und zwar immer. Erkennen sie, dass Kinder (deren Alter wird nicht definiert), über die Straße gehen (wollen), egal ob dort ein Zebrastreifen ist oder eben nicht, dann müssen sie anhalten und die Kinder queren lassen, übrigens auch dann, wenn sie mit einem Erwachsenen unterwegs sind. Diese Regelung gilt immer und überall. Im Bereich von Schulen müssen Autofahrende sogar schon bremsbereit fahren, wenn noch gar keine Kinder zu sehen sind. 

In Österreich nennt man das den unsichtbaren Zebrastreifen. In Deutschland kennt man das nicht. 

5. Januar 2026

Lust am Lärm

Mir scheint, wir Menschen machen gerne Krach. Laubbläser, Motorsägen, Rasenmäher, Autos, Motorräder, Züge, Flugzeuge. Alles dröhnt.

Junge Männer lassen die Motoren ihrer Autos extra aufheulen. Motorräder bullern laut durch die Nacht. Mopeds knattern. Und immer hängt das Rauschen des Verkehrs über dem Kessel oder das leise Tosen einer Autobahn über einer Landschaft. Dauerkrach macht krank, er belastet Herz und Kreislauf, weil er den Organismus in Gefahrenstress versetzt. In Südtirol üben die Massen an Motorradtouristen und Sportwagenfahrenden regelrecht Lärmterror aus, und auch bei uns im Schwarzwald ist das der Fall. Krach kann aber auch eine heilsame Wirkung haben. Vor allem dann, wenn wir ihn selber und gemeinsam mit anderen machen, etwa Silvesterfeurwerk, bei Fußballspielen, in der Fastnacht, auf Konzerten oder beim Auto-Posen. Entscheidend ist das Gemeinschaftsgefühl, dann ist Krachmachen ein Lustfaktor, der die gute Laune schafft. Viele von uns scheinen jedenfalls laute Geräusche (insbesondere überlaute Musik) zu mögen. Was wir weniger mögen, ist, wenn andere Krach machen. Wenn es uns nicht als bedrohlich erscheint, so steigert es den Ärger und verhindert, dass wir nachts schlafen können. Und manche mögen übrigens ausgerechnet den Lärm nicht, den Kinder beim Spielen draußen machen. Warum aber machen wir so gern Krach?

3. Januar 2026

Knobelspiel für einen Radfahrer in Lüneburg

Ein FB-Nutzer hat der Radelgemeinde ein hübsches Problem vorgelegt, das leider typisch ist für die unklaren Verhältnisse, die wir Radfahrenden oft vorfinden. 

In der Gruppe "Verkehrsrecht" beschreibt er eine Situation in Lüneburg bei der Zufahrt aus der Harvey-Benjamin-Fuller-Straße in der Willy-Brandt-Straße. Die hat auf der gegenüberliegenden Seite einen Radweg, der als Zweirichtungsradweg ausgeschildert und mithin verpflichtend ist. An der Ampel nach rechts abbiegen (was eine Ampel mit grünem Pfeil erlaubt, wenn frei ist) und auf der Fahrbahn weiterradeln, führt vermutlich zu Irritationen bei den Autofahrenden (und der Polizei). Und vielleicht will man das ja auch gar nicht. Aber von der Ampel auf den Radweg kommt man gar nicht so einfach. 

1. Januar 2026

Brauchen wir bald eine Fahrradzulassungsbehörde?

Zentrale Kfz-Zulassungstellen gibt es gut zweihundert in Deutschland. Auch online-Zulassungdienste gibt es bereits. Irgendwas dieser Art brauchen wir auch für Fahrräder, sollte die Politik ernsthaft meinen, es müsse Fahrradkennzeichen geben. 

Es gibt schätzungsweise 82 Millionen Fahrräder in Deutschland (im Vergleich zu 50 Millionen Autos).  Die bräuchten alle ein Kennzeichen. Bei Autos gibt es rund 4 Millionen Neuzulassungen im Jahr, Firmen und Zulassungsstellen kümmern sich um die Versorgung. Dann bleibt das Kennzeichen über Jahre oder Jahrzehnte am Auto. Fahrradkennzeichen aber müssten jedes Jahr neu verschickt werden, 82 Millionen Mal. Und das, obgleich die allermeisten Radfahrenden bereits ein private Haftpflichtversicherung haben.