28. Februar 2025

Gehwegfreigabe im Schwabtunnel soll es richten

Der Schwabtunnel bleibt eine Angststrecke für Radfahrende. Es gilt Tempo 40 und die Pflicht für Radfahrende, auf der Fahrbahn zu radeln. Für Autofahrende gilt ausdrücklich ein Überholverbot gegenüber Radfahrenden. 

Aber die Fahrt durch den Tunnel ist nur was für Radler:innen mit starken Nerven.  Radfahrerin Katharina schilderte uns in der Radcommunity kürzlich: "Ich hatte in dieser Woche zweimal den Fall, dass Autofahrer im Schwabtunnel bewusst von hinten auf mich zurasen, wenn ich dort mit dem Rad auf der Straße fahre. Die Geschwindigkeit kann ich nur schätzen, fühlt sich aber wie 70 bis 100 km/h an. Es geht nicht ums Überholen, sondern ums Einschüchtern. Eigentlich bin ich darauf angewiesen, zwei bis drei Mal täglich durch diesen Tunnel zu fahren, traue mich aber bald nicht mehr." 

Sie schrieb eine Gelbe Karte an die Stadt.

26. Februar 2025

Die Hauptradrpoute 1 unter der Seilbahnbrücke wird saniert

Der Untergrund des Geh- und Radwegs in Heslach entlang der Burgstallstraße zwischen Vogelrain und der Seilbahnstraße ist schlecht und muss erneuert werden. Deshalb wird der Abschnitt für den Radverkehr gesperrt. 

Die Asphaltarbeiten sollen heute beginnen und zwei Wochen dauern. Es hängt aber auch vom Wetter ab, ob das so klappt. Es soll eine gut ausgeschilderte Umleitung geben. Die Stadt bittet darum, sie auch zu benutzen. Die Umleitung verläuft über die Böblinger Straße und beschert uns nicht nur zwei Ampeln, sondern auch die Einfahrt in die Vorfahrtstraße Böblinger Straße. (Siehe Fotos)

24. Februar 2025

Gemeinsamer Rad- und Gehweg - Wer darf was?

Der Schlossgarten ist fast überall mit dem blauen runden Schild als gemeinsamer Geh- und Radweg ausgeschildert. 

Seit 2024 gilt dafür eine neue StVO, die Menschen zu Fuß mehr in den Vordergrund rückt und dem Radverkehr in Punkt 1 mit einem Ergänzungssatz auferlegt: "Dabei ist auf den Fußverkehr Rücksicht zu nehmen. Der Fußverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Erforderlichenfalls ist die Geschwindigkeit dem Fußverkehr anzupassen."* Selbstverständlich galt auch vor der Novelle, dass Radfahrende auf den Fußverkehr Rücksicht nehmen müssen, denn Vorsicht und Vermeidung von Gefährdung steht in Paragraph 1 unserer Straßenverkehrsordnung. Darin steht auch, dass man im öffentlichen Verkehrsraum andere nicht unnötig behindern darf.** Daraus ergab sich immer schon, dass auf gemeinsamen Geh- und Radwegen Radfahrende rücksichtsvoll fahren, Fußgänger:innen aber auch Platz machen und das Radfahren nicht behindern dürfen. In Gerichtsurteilen hat sich zudem in den letzten zwanzig Jahren bereits manifestiert, dass Radfahrende gegenüber Fußgänger:innen mehr Rücksicht nehmen müssen als umgekehrt. 

Der gemischte Geh- und Radweg ist allerdings ein Radweg.

22. Februar 2025

Und wieder ist Zeit der Schlaglöcher

Ich bin ein bisschen neidisch. Ein Autofahrer fährt durch ein Schlagloch, sein Reifen ist kaputt und die Stadt erstattet ihm den Schaden. 

Darüber berichtet die Stuttgarter Zeitung ausführlich. Weil die Stadt das Schlagloch auf der Heilbronner Straße nicht binnen weniger Stunden flickte und dem Auto eines Landtagsabgeordneten ein Reifen platzte, ermittelt die Polizei gegen die Stadt. 

Wie ist das eigentlich bei uns Radfahrenden? Wir haben auf unseren Radstrecken jede Menge Unebenheiten, Wurzelaufwerfungen, Bordsteine, Poller und derzeit auch viele auch Schlaglöcher, die uns zum Bremsen, schnellem Lenken und langsam fahren zwingen, aber ersetzt uns jemand den Schaden, wenn wir stürzen? Oder gibt es nur Achselzucken und die Empfehlung: "Dann guck halt vor dich auf die Straße und fahr langsam!" Wieder so ein rätselhafter Alleinunfall. 

Ich weiß es nicht. Hat das schon mal jemand probiert? Es ist jedenfalls ein großer Unterschied zwischen uns und den Leuten, die auf vier Rädern vor sich hin fahren: Wir müssen immer auf den Untergrund vor uns schauen, der alles andere als eben ist, wir fahren aufmerksamer. Und gerade jetzt, nach den Frostnächten öffnen sich vielerorts Schlaglöcher, meist genau in unserer Fahrlinie zwischen Bordstein und mitten auf der Fahrbahn. Fahrt vorsichtig! 



20. Februar 2025

Radweg ist, wo Räder fahren?

Für die meisten Menschen scheint ein Radweg alles zu sein, wo sie Räder fahren sehen und selber mit dem Rad fahren können. 

So kommt auch die Behauptung in Kessel-TV zustande, dass der Neckarbrücke-Radweg an einer Treppe ende. Stimmt, die Brücke endet bergauf immer noch an dieser Treppe, und das ist ärgerlich, man kann sie aber auf neuem Radweg runter Richtung Wilhelma-Kreuzung fahren. Die Brücke selbst ist aber (zumindest noch) kein Radweg, sondern nur ein Gehweg, der fürs Radfahren freigegeben ist. Das heißt: Es gilt Schrittgeschwindigkeit, und zwar immer, auch dann, wenn keine Menschen zu Fuß unterwegs sind. Leute wegklingeln, ist tabu. 

Diesen Irrtum begeht zuweilen auch die Polizei, wenn sie Radfahrende von einer Fahrbahn auf den Gehweg schickt, mit der Behauptung, der sei der Radweg. Es gibt sogar Beamte (bezeugt), die behaupten, man dürfen auf einem Gehweg radeln, der nicht als Gehweg gekennzeichnet ist. Was für ein Kennzeichen sie sich vorstellen, bleibt dabei rätselhaft, denn ein Gehweg definiert sich durch Bordstein und Häuserwände oder Zäune als Gehweg und ist dann verboten für Autos und Fahrräder. Nur wenn er fürs Radfahren freigegeben wird, steht da der blaue Fußgänger-Lolli mit dem Schild "Rad frei" darunter. 

Den Irrtum begehen auch so manche Autofahrende, die mich anhupen, wenn ich auf der Hofener Straße auf der Fahrbahn radle, weil sie denken, der Gehweg sei der Radweg, denn dort sehen sie ja die meisten Leute radeln. Der Irrtum darüber, dass freigegebene Gehwege keine Radwege sind, dürfte auch der Grund dafür sein, dass ich immer wieder die Behauptung lese und höre, Radfahrende würden ja gar nicht auf den Radwegen radeln, sondern Autofahrende auf Fahrbahnen ärgern. 

Dieser Irrtum sitzt aber auch tief in den Behörden. 

18. Februar 2025

Wien will, wir nicht

Ich bin neidisch. Die österreichische Hauptstadt baut in Rekordzeiten ihren Radverkehr aus. Über die Grünen Pfeile habe ich schon berichtet. Im vergangen Jahr kamen 23 km Radinfrastruktur dazu, nach 20 km im Jahr davor. Und wir? 

Selbst wenn man der von sich selbst begeisterten Darstellung von Fahrradwien mit einem bisschen Misstrauen begegnen wollte (ich kann nicht nachprüfen, wie gut die Radwege sind), scheinen sie schnell voranzukommen. Vor allem scheint der Zeitrum zwischen Beschluss, Planung und Ausführung kurz zu sein. Bei uns in Stuttgart ist das nicht so. Zwischen Beschlüssen und Ausführung vergehen nicht selten sechs Jahre (z.B. Haupradroute 2, die immer noch nicht fertig ist). Ein Teil der Stadtverwaltung und Stadtpolitik will, ein anderer nicht. Im Gemeinderat gibt es noch immer eine Mehrheit für klimagerechte Mobilität, also für den Fuß- und Radverkehr. In der Verwaltung gibt es höchst engagierte Planer:innen. Doch scheint die Einigkeit beim Aufbruch zur Fahrradstadt nicht vorhanden zu sein. Die Stuttgarter Zeitung hat das Thema unter dem Titel "Wenn Radwege trotz Beschluss ewig auf sich warten lassen" aufgegriffen (STZPlus) und führt neben der HRR 2 Hedelfingen die Rad- und Busspur  unter der Bahnbrücke der König-Karl-Straße in Cannstatt an.

16. Februar 2025

Wer kennt Fahrräder als Alltagsverkehrmittel?

In einer Woche, am 23. Februar, wählen wir einen neuen Bundestag. Wahlen sind eine Möglichkeit, Parteien eine Stimme zu geben, die im Großen und Ganzen, aber auch in Einzelaspekten das wollen, was wir auch wollen. 

Wollen heißt nicht, dass es auch gleich Wirklichkeit wird. Politik ist ein komplizierter und langsamer Prozess, in dem - weil keine Partei die absolute Mehrheit hat - verschiedene Interessen gegeneinander abgewogen und Kompromisse gesucht werden müssen. Ministerien können Gesetzesvorlagen anstoßen oder auch nicht, tun sie es, müssen sie auch in der Koalition eine Mehrheit finden. Das ist kompliziert. Wäre es nicht kompliziert, hieße es nicht Politik. Eine Partei, die in allen Punkten die eigenen Auffassungen über die Welt und die Lösungen der Probleme vertritt, gibt es nicht. Auch wir Wählenden müssen Kompromisse eingehen. 

Uns hier auf dieser Seite interessiert der Radverkehr. Und um nichts anderes soll es hier gehen.

14. Februar 2025

Die "niederländische Kreuzung" für Darmstadt ist Geschichte

Es gibt in Deutschland durchaus schöne Pläne und Projekte für Radverkehrsanlagen, die die Gefahren, die vom Autoverkehr ausgehen, mindern sollen. Die Ideen erregen stets mediale Aufmerksamkeit. Verwirklicht werden die wenigsten. 

So ergeht es auch der in den Medien viel beachteten sogenannten sicheren Kreuzung nach niederländischem Vorbild, über die ich im Dezember geschrieben habe, übrigens durchaus kritisch. Sie hätte Ende vergangenen Jahres fertig sein sollen. Aber wir ahnen es schon: Gebaut wird sie nicht, wie aus diesem Hörfunk-Youtube-Video hervorgeht. Der CDU-Stadtrat von Darmstadt, der zugleich Dezernent für Mobiltiät ist, hat das Vorhaben gestoppt. Die genauen Gründe sind mir nicht bekannt, denn es kann nicht nur daran liegen, dass einem Beschwerdeführer die Ausgaben für eine Infrastruktur, die Fußgänger:innen und Radfahrenden das Leben sicherer und bequemer machen soll, zu teuer fand und sich an den Bund der Steuerzahler wandte. Es könnten sich auch Fuß- und Radverbände beschwert haben, weil zwar der Radverkehr vom Autoverkehr getrennt wird, dabei aber den Fußverkehr quert, also von ihm nicht getrennt wird. Nun sollen vermutlich konventionelle Lösungen für den Radverkehr angestrebt werden, was auch nicht schlecht ist. 

12. Februar 2025

Siebzig Zentimeter oder: Das Grauen auf unseren Gehwegen

Wie breit ist ein Gehweg? Egal wie breit er tatsächlich ist, Falschparkende, Aufsteller, Baustellenbeschilderungen, Baumstandorte oder Radfahrende lassen den Fußgänger:innen nur rund siebzig Zentimeter. 

Das hat Martin auf seinem Blog beobachtet. Ein zwei Meter breiter Gehweg bietet sich einzelnen Autofahrenden als Abstellfläche an. Auf Gehwege wird, wenn die Straße schmal ist, soweit hochgeparkt, dass Fußgänger:innen gerade noch vorbei kommen (manchmal auch nicht mehr). Entlang vieler gewachsener Wohnviertel sind die Gehwege kaum breiter als ein Meter und überall parken Autos am Bordstein. 

Auch wenn das jetzt nicht im eigentlichen Sinn ein Fahrradthema, sondern ein Fußgängerthema ist, fällt auch mir auf, wie sehr Gehwege Verfügungsfläche für alles sind - Aufsteller, Mülltonnen, Tische und Stühle, Autos, Motorräder, E-Scooter, Radbügel, Pollerreihen, Ampel- und Schildermasten, Fahrräder -, was in den öffentlichen Raum muss oder soll. Deshalb habe ich angefangen, mit Zeichnungen sichtbar zu machen, was wir bewusst schon lange nicht mehr sehen.