6. Dezember 2022

Reden wir über Regen beim Radeln

Der Regen ist die größte Angst derer, die vom Auto aufs Fahrrad umsteigen wollen. Radeln sie dann ein paar Monate, merken sie: So schlimm ist er gar nicht. Außerdem regnet es gar nicht so oft. 

Regen ist sogar etwas Besonderes in Stuttgart. Es radeln weniger als sonst, die Luft riecht gut und ist sauerstoffgesättigt, das Radeln fällt uns leicht, und die Sinne erleben mehr: Tropfen, Rauschen, spiegelnde Fahrflächen, das Gefühl, selbst ein Held oder eine Heldin zu sein. In Stuttgart regnet es an durchschnittlich 14 Tagen im Monat. Diese Zahl führt aber in die Irre, denn tatsächlich werde ich auf dem Fahrrad viel seltener nass, weil es in der Nacht geregnet hat und weil es fast nie den ganzen Tag über regnet. Und die Niederschlagsmenge ist gering (ca. 600 ml 2019) Die Kesselränder halten den meisten Regen ab.   

Wenn wir Radfahren, lernen wir endlich wieder das Wetter gut kennen.

4. Dezember 2022

Kein Weihnachtsfrieden am Radweg Holzstraße

Die Autoverkehrsorganisation am Weihnachtsmarkt bringt es mit sich, dass jetzt alle mit ihren Autos von der Markthalle über die Dorotheenstraße rausfahren und dabei den Radweg Holzstraße kreuzen. 

An dieser Ausfahrt gab es schon immer notorisch kritische Situationen, weil Autofahrende von den Radfahrenden stets verblüfft werden. Sie sehen sie selten rechtzeitig. Sie war auch mal ein paar Tage auf dem Sprung zur autofreien Straße ohne Parkplätze, doch die Möblierung für den Aufenthalt von Menschen wurde beiseite geräumt und das Parken wieder gestattet. So stellt sich die Stadspitze wohl den weihnächtlichen Verkehrsfrieden vor: Hauptsache Autofahrende kriegen Platz ohne Ende. Aller andern dürfen sehen, wo sie bleiben. 

Die Zahl der Autos, die sich jetzt die Dorotheenstaße rausschieben und auf dem Radweg stehen bleiben oder gefährlich schnell drüber fahren, hat sich gefühlt verzehnfacht. Ich habe am Freitag gegen 17 Uhr eine Viertelstunde dort gestanden und gefilmt, was so passiert. Am Schluss gibt es das Video am Stück zu sehen, aus dem ich hier ein paar Standfotos rausgreife, um die einzelnen Situationen zu erklären. 

2. Dezember 2022

Geschenke für Menschen mit Fahrrädern

Weihnachten ist nicht mehr weit, Geburtstage verteilen sich aufs ganze Jahr, und zuweilen sucht man ein Geschenk für Radfahrer:innen. 

Ich habe wieder mal das zusammengestellt, was man haben wollen könnte, aber nicht unbedingt haben muss, und was man Radfahrenden schenken könnte, die schon alles haben. Ich habe im Internet nach Gadgets, Innovationen und einzelnen Produkten gesucht und von Powerbank über den Hamster im Rad oder den Airbagruckack bis zum Seitenwagen für Räder alles Mögliche verlinkt. Das Ganze ist nur eine Ideensammlung für das Kuriose und Seminützliche, was es für Fahrräder so gibt. Wer sich tatsächlich für eines der Zubehörteile interessiert, dem empfehle ich, selber ein bisschen zu googeln, was es in diesem Bereich noch so gibt. 

30. November 2022

Wir sind blind geworden für Autos

Warum sehen alle die Fehler von Radfahrenden aber nicht die, die Autofahrende machen, obgleich beispielsweise die Falschparkerei so offensichtlich ist? Manchmal kommt es mir so vor, als wären viele von uns blind geworden für Autos. 

Oder, um präzisier zu fragen: Warum sehen Fußgänger:innen keine Autos und Autofahrende keine Fußgänger:innen, aber alle die Radfahrenden? 

Menschen zu Fuß werden sorgfältig von Autos separiert und über Gehwege geführt. Die Leute, die dort gehen, sieht ein Autofahrer auch deshalb nicht, weil sich zwischen Autofahrbahn und Gehweg oft eine Wand von geparkten Autos erhebt. Autofahrende sehen Fußgänger:innen aber auch deshalb nicht, weil sie nicht auf sie achten müssen. Sie erwarten, dass Menschen zu Fuß auf Autos achten. Für manche Autofahrende ist das so selbstverständlich, dass sie nicht einmal Menschen auf Zebrastreifen sehen, schon gar keine Kinder. Autofahrer:innen muss nicht interessieren, was Menschen zu Fuß machen, weil sie es außerhalb ihres Blickfelds tun. Einzige Berührungsstelle ist der Fußgängerüberweg. Meistens hat er inzwischen eine Ampel, denn da muss der Autofahrer nur auf die Ampel achten (wobei auch das immer wieder nicht passiert und Menschen angefahren werden). Wenn sie rot wird, muss er halten, wenn sie grün wird, kann er wieder  fahren. Was in der Zwischenzeit passiert (gehende Menschen), muss er nicht sehen. Autofahrende achten auf andere Autos und auf Ampeln, nicht auf Menschen. Und wird aus einer Autofahrerin mal eine Fußgängerin, dann achtet sie sehr darauf, Autos nicht in die Quere zu kommen, stört sich aber nicht am auf dem Gehweg geparkten Auto (denn sie hat selbst ihres hinter so einem Falschparker abgestellt (gilt auch für Autofahrer)). 

Autofahrende interessieren sich nicht für Menschen im Straßenverkehr, also auch nicht für solche auf Fahrrädern.

28. November 2022

Gut gemeint - Radwegüberfahrt in Untertürkheim

Die große Gefahr für Radfahrende auf Radwegen sind Abbiegesituationen für Autofahrende, die sie mit Tempo nehmen können, also flache Kurvenradien oder wie hier, die Möglichkeit geradeaus zu schießen, wo die Vorrangstraße eine Kurve macht. 

Die Stadt hat deshalb in Untertürkheim beim Benzplatz den Radweg, der unter der Bahnbrücke hervorkommt in der Einmündung der Arlbergstraße erhöht, also mit kleinen Bordsteinen versehen, so wie man auch Gehwegüberfahrten macht. Wie das Foto von Blogleser Alex zeigt, ist der Bordstein aber gerade dort, wo Autofahrende nach rechts einbiegen, fast im Asphalt versenkt, jedenfalls nicht sonderlich gut als Hindernis erkennbar.  

Blogleser Alex schreibt mir dazu:

26. November 2022

Wieso? Ich halte doch bei Rot und fahre mit Licht!

Ups! Diesen Bus habe ich kürzlich in Stuttgart gesehen. Auf dem Heck stehen zwei Befehle an Radfahrende: "Bei Rot gilt Stopp!" und "Licht an!" 

"Ja, genau", sagen die Autofahrenden, die hinter dem Bus warten müssen: "Radler fahren ja immer bei Rot und nachts ohne Licht." Stimmt, einige radeln weiter, wenn eine Ampel Rot zeigt (so wie manche Fußgänger bei Rot über den Fußgängerfurt gehen, und viele Autofahrende weiterfahren, wenn ihre Ampel bereits auf Rot gesprungen ist). Und bei Dunkelheit sehe ich auf meinen Radfahrten mindestens zweie, die ohne Licht am Rad unterwegs sind. Allerdings sind Regelverstöße im Straßenverkehr bei allen Verkehrsarten weit verbreitet. Die von Autofahrenden sind teils lebensgefährlich für andere, die von Fußgänger:innen und Radfahrenden nicht. 

Zugegeben, die Darstellungen erzeugen ein Schmunzeln.

24. November 2022

Warum nicht gleich ordentlich gemacht?

Eine Radler- und Fußgänger-Abkürzung ist nett. Aber wenn man sie so anlegt, wird sie immer breiter. Warum hat man sie nicht gleich mit einem wasserdurchlässigen Asphalt oder mit Pflaster gebaut?  

Der Schlossgarten gehört dem Land. Das hat vor Jahren angeboten, an dieser Stelle, wo wir das Flora&Fauna sehen, wenn wir durch den Schlossgarten geradelt sind, eine direkte Verbindung anzulegen. Die Stadt fand das toll. Allerdings wurde sie dann nur als Kiesweg gegründet. Glücklich war die Stadt damit nicht. Noch heute glauben viele, es sei eine von Fußgänger:innen und Radler:innen wild angelegte Strecke, auf der sie nicht radeln, um die Situation nicht zu verschlimmern. 

Aber so war es gedacht. Und man sieht jetzt: Es war nicht durchdacht.

22. November 2022

Schulwege sichern - die vordringlichste Aufgabe im Verkehr

Grundschulwege sind nicht sicher. Das stellt die Kidical Mass Stuttgart fest, die einen ausführlichen Schulwege-Check gemacht und auf Twitter veröffentlicht hat.  
Hauptsächlicher Grund für die Gefahren auf den Schulwegen, die Stuttgart für ihre Grundschüler:innen empfiehlt, sind falsch geparkte Autos in Kreuzungen und schlecht gesicherte Baustellen auf den Gehwegen. Eine zehnköpfige Gruppe der Kidical Mass hat zehn Grundschulen und die Wege zu ihnen betrachtet und nach eigenen Angaben kurz vor Schulbeginn 74 schwerwiegende Parkverstöße und Gefahrenstellen identifiziert. 

Mit freundlicher Genehmigung des KM-Teams zeige ich hier einige Bild-Beispiele. Das erste Foto zeigt die Kreuzung Dobelstraße und Sonnenbergstraße auf dem Schulweg zur Jakobschule.

20. November 2022

In der Stadt ist mit mit dem Rad am schnellsten, mit Bus und Bahn am langsamsten

Das Berliner Mobility Institute hat untersucht, ob sich in deutschen Städten die Reisezeiten mit dem Auto und dem Öffentlichen Personennahverkehr unterscheiden. 

Das tun sie, wobei Stuttgart mit München zusammen am besten abschneidet.  Im Durchschnitt braucht man mit Bus und Bahn doppelt so lang wie mit dem Auto. Wenn der Index 1 (die Strecke mit dem Auto) beträgt, brauchen wir in Stuttgart und München 1,94 mal so lang. Berlin liegt knapp dahinter, schlecht wird es in Frankfurt (2,01) oder Leipzig (2,08) und ganz grauslig ist es in Hamburg mit 2,24. Der ÖPNV ist überall dort recht schnell, wo es U-Bahnen und Bahntrassen gibt, die von den Autofahrbahnen getrennt sind. Am meisten Zeit verbringen die Leute aber mit Warten, vor allem dann, wenn sie auch noch umsteigen müssen. Außerdem müssen manche ganz schön weit laufen, um zur Haltestelle zu kommen. Die Fahrten selbst brauchen dann nicht mehr so viel Zeit. Am schnellsten aber ist man mit dem Fahrrad.