18. Dezember 2022

Bei Winterwetter rutschen die Radler:innen in Stuttgart

Zuerst: ein Hoch auf die Frostradler:innen! Im Winter fährt ja niemand Rad, höre ich immer. Kunststück: die Radinfrastruktur wird ja auch nicht wirklich konsequent von Eis und Schnee befreit. 

Die letzten Winter hatten wir keine drei Tage Frost mit Schnee und Eis, deshalb konnten wir Radfahrenden die Absicht und die Bemühungen der Stadt, die Radhauptrouten zu räumen, nicht beurteilen. Dieses Jahr schon. Und ich bin ziemlich desillusioniert. Was ich die letzten Tage vorgefunden habe, wirkt ausgesprochen unfreundlich uns Radfahrenden über. Ich zähle hier nur ein paar wenige Beispiele auf (ich konnte nicht an jeder Ecke halten und fotografieren und war auch nicht exzessiv unterwegs), bin mir aber sicher, dass es sehr viele weitere Beispiele gibt von Radlerstrecken, auf denen uns Eisflächen und zu Eis gefrorene Schneehaufen begegnen. 

16. Dezember 2022

Warum die Schweizer bezweifeln, dass wir Veloland werden

Die NZZ hat einen kritischen Artikel über die Fußgänger- und Fahrradpolitik von Berlin veröffentlicht. 

Grundaussage des Artikels ist, dass es zu Ärger und Umsatzeinbußen kommt, wenn man zwar Straßen für Autos sperrt, aber den Radfahrenden keine in der ganzen Stadt durchgängige Radinfrastruktur anbietet. Lieber erst mal in den konsequenten Ausbau von Radstreifen und Radwegen die politische Kraft und das Geld investieren, als die Autos aus einzelnen zentralen Straßen oder Stadtvierteln verbannen. Denn die Leute, die dort nicht mehr mit ihren Autos fahren dürfen, steigen deshalb nicht aufs Fahrrad um, weil ihnen das angesichts der lückenhaften Radinfrastruktur zu gefährlich erscheint. Und in die Nobel-Läden, etwa in der für Autos vorübergehend gesperrten Friedrichstraße, kommen die Nobel-Kund:innen eben nicht mehr, weil sie für ihr Nobel-Auto in der Straße keinen Parkplatz mehr haben: Die wollen nicht U-Bahn oder Fahrrad fahren. Die Friedrichstraße ist inzwischen wieder für Autos offen.  

Den Gedankengang der NZZ kann ich nachvollziehen. Allerdings steckt nach meiner Einschätzung auch ein Denkfehler darin.

14. Dezember 2022

Die ständige Suche nach der Lücke

Nur physische Sperren helfen. Fehlen sie, fahren Menschen mit Autos auf jede Fläche, die mit vier Reifen zu erreichen ist. 

So auch hier an der Schranke beim Dornhaldenfriedhof. Eigentlich muss da niemand rein, außer ab und zu Fahrzeuge von Bautrupps oder für Waldarbeit, und die haben den üblichen Veirkantschlüssel, mit dem man so eine Schranke aufmacht. Ich vermute, einige waren dazu zu faul. Jetzt hat man die Steine vom Wiesenrand gegenüber auf die Seite der Schranke geschafft. Eine Spur in der Wiese ist noch sichtbar. Aber sollte eigentlich keine mehr dazu kommen. 

Übrigens lassen sich auch Fußgänger:innen oder Radfahrende nicht von Schildern und Sperren aufhalten.

12. Dezember 2022

Die Hälfte der Straße für Fahrräder

Das ist die Idee der ETH in Zürich, die sie jetzt intensiv erforschen wird. Von Autoabhängigen verlangt sie eine gigantische Vorstellungskraft ab, von uns Radfahrenden weniger. 

Ganz konsequent sollen Autos in der Stadt nur noch auf der Hälfte einer Fahrbahn - und das überall - fahren. Gibt es nur zwei Fahrbahnen, dann können sie nur noch in eine Richtung fahren. Auf der anderen Fahrspur sind Menschen auf Fahrrädern in beiden Richtungen unterwegs. Fahrräder würden zum Hauptverkehrsmittel in Zürich, Bern oder Basel ... oder in Stuttgart. 

Wow! Das wär's! Übrigens findet das unter anderem in Stuttgart jeden ersten Freitag im Montag bei der Critical Mass auf ausgewählten Routen bereits statt, dann nehmen Radfahrende für kurze Zeit die Hälfte des für Autos reservierten Straßenverkehrsraums ein. Deshalb habe ich ein Foto von einer CM ausgewählt. 

Sieben Abteilungen erforschen in den nächsten drei Jahren, was die Folgen dieser Idee wären und wie eine E-Bike-City am Beispiel Zürich funktionieren könnte. Es ist ein Planspiel, in das die renommierteste Schweizer Hochschule viel Geld und Personal investiert. Das E-Bike-City-Konzept fußt auf sechs Prinzipien: 

10. Dezember 2022

Ein Radfahrstreifen wird zum großen Erfolg

Aus der Angststrecke ist eine Routine-Radroute geworden. Der Radstreifen auf der Böblinger Straße ist ein richtiger Erfolg. Die Strecke ist damit gefühlt sogar kürzer geworden. 

Denn Radfahrende empfinden Strecken mit viel Autoverkehr und stressigen Situationen als bis zu sieben Mal länger als sie tatsächlich sind, nicht aber, wenn sie auf Radwegen oder in sicherer Umgebung radeln. Der ADFC belegt in seinem Bericht, dass knappes Überholen durch Autofahrende nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme ist, und die Radfahrenden in den Kommentaren bestätigen, dass man die Strecke jetzt endlich gerne radelt. Ein Fahrradpendler, der die Strecke regelmäßig fuhr und fährt und mit OpenBikeSensor unterwegs ist, konnte belegen, dass  sich der Überholabstand jetzt bei 2,40 Meter eingependelt hat, während er vorher im Durchschnitt mit 70 cm Abstand überholt wurde, wohlgemerkt auf einer Strecke, in der für Autofahrende das Überholen verboten war, schließlich sogar per Verkehrszeichen angeordnet, weil der Platz eben nicht reichte. Der Radverkehr wird sich, auch infolge der neuen Bequeemlichkeit und Sicherheit für Radfahrende, zwischen Vaihingen und Heslach weiter steigern, nachdem er bislang stetig zugenommen hat. 

8. Dezember 2022

Faktencheck: Ist Radfahren klimaschädlicher als Autofahren?

Im November geisterte ein Artikel durch die Medien, der bei Autoabhängigen Häme auslöste: Ätsch-bätsch, Radfahren ist klimaschädlicher als Autofahren. 

Er wird auch immer mal wieder mit großem Siehste-Gestus in die Kommentare unter meine Posts gesetzt. Deshalb zerlege ich ihn jetzt hier.  

Die Lüge: Die Schweizer Handelszeitung ließ Reiner Eichberger unter dem Titel "Klima: Manch ein Auto schneidet besser ab als das Velo oder der ÖV" seine Behauptungen aufstellen, dass Radfahrende mehr essen müssen und damit fürs Klima schlimmer seien als vier Menschen, die zusammen in einem 5-Liter-Auto fahren. Dass der Vergleich bei Autos mit mehr Verbrauch und nur einem Insassen nicht funktioniert, kann man bereits erschließen und steckt auch in der Titelformulierung. Guckt man genauer hin, erweist sich die Konstruktion als gänzlich irreal, bleibt aber als Wahrheit bei denen hängen, die nur ungenau lesen und gerne den Radfahrenden eins reinwürgen.  

Nähern wir uns der Wahrheit:

6. Dezember 2022

Reden wir über Regen beim Radeln

Der Regen ist die größte Angst derer, die vom Auto aufs Fahrrad umsteigen wollen. Radeln sie dann ein paar Monate, merken sie: So schlimm ist er gar nicht. Außerdem regnet es gar nicht so oft. 

Regen ist sogar etwas Besonderes in Stuttgart. Es radeln weniger als sonst, die Luft riecht gut und ist sauerstoffgesättigt, das Radeln fällt uns leicht, und die Sinne erleben mehr: Tropfen, Rauschen, spiegelnde Fahrflächen, das Gefühl, selbst ein Held oder eine Heldin zu sein. In Stuttgart regnet es an durchschnittlich 14 Tagen im Monat. Diese Zahl führt aber in die Irre, denn tatsächlich werde ich auf dem Fahrrad viel seltener nass, weil es in der Nacht geregnet hat und weil es fast nie den ganzen Tag über regnet. Und die Niederschlagsmenge ist gering (ca. 600 ml 2019) Die Kesselränder halten den meisten Regen ab.   

Wenn wir Radfahren, lernen wir endlich wieder das Wetter gut kennen.

4. Dezember 2022

Kein Weihnachtsfrieden am Radweg Holzstraße

Die Autoverkehrsorganisation am Weihnachtsmarkt bringt es mit sich, dass jetzt alle mit ihren Autos von der Markthalle über die Dorotheenstraße rausfahren und dabei den Radweg Holzstraße kreuzen. 

An dieser Ausfahrt gab es schon immer notorisch kritische Situationen, weil Autofahrende von den Radfahrenden stets verblüfft werden. Sie sehen sie selten rechtzeitig. Sie war auch mal ein paar Tage auf dem Sprung zur autofreien Straße ohne Parkplätze, doch die Möblierung für den Aufenthalt von Menschen wurde beiseite geräumt und das Parken wieder gestattet. So stellt sich die Stadspitze wohl den weihnächtlichen Verkehrsfrieden vor: Hauptsache Autofahrende kriegen Platz ohne Ende. Aller andern dürfen sehen, wo sie bleiben. 

Die Zahl der Autos, die sich jetzt die Dorotheenstaße rausschieben und auf dem Radweg stehen bleiben oder gefährlich schnell drüber fahren, hat sich gefühlt verzehnfacht. Ich habe am Freitag gegen 17 Uhr eine Viertelstunde dort gestanden und gefilmt, was so passiert. Am Schluss gibt es das Video am Stück zu sehen, aus dem ich hier ein paar Standfotos rausgreife, um die einzelnen Situationen zu erklären. 

2. Dezember 2022

Geschenke für Menschen mit Fahrrädern

Weihnachten ist nicht mehr weit, Geburtstage verteilen sich aufs ganze Jahr, und zuweilen sucht man ein Geschenk für Radfahrer:innen. 

Ich habe wieder mal das zusammengestellt, was man haben wollen könnte, aber nicht unbedingt haben muss, und was man Radfahrenden schenken könnte, die schon alles haben. Ich habe im Internet nach Gadgets, Innovationen und einzelnen Produkten gesucht und von Powerbank über den Hamster im Rad oder den Airbagruckack bis zum Seitenwagen für Räder alles Mögliche verlinkt. Das Ganze ist nur eine Ideensammlung für das Kuriose und Seminützliche, was es für Fahrräder so gibt. Wer sich tatsächlich für eines der Zubehörteile interessiert, dem empfehle ich, selber ein bisschen zu googeln, was es in diesem Bereich noch so gibt.