17. September 2025

Pedelecfahrten ersetzen mehr als die Hälfte der Autofahrten

Pedelecs sind Fahrräder und werden bei der Verkehrsplanung gemeinsam gedacht. Allerdings werden sie unterschiedlich eingesetzt. Gerade E-Räder ersetzen deutlich öfter Autofahrten als Normalräder. 

Die taz berichtet (leider mit der unklaren Begrifflichkeit "E-Bike") über eine aufwendige Studie im International Journal of Sustainable Transportation, die auf Daten aus dem Jahr 2017 basiert, und findet es "überraschend", dass E-Räder deutlich mehr Autofahrten ersetzen als gedacht, und dass sie deshalb mehr sind als "schnellere Fahrräder". Fast jede zweite Fahrt (42,1 Prozent), die mit einem Pedelec gemacht wird, ersetzt eine Fahrt, die der Mensch sonst mit dem Auto gemacht hätte. Bezogen auf die zurückgelegten Kilometer sind es sogar sogar 63,2 Prozent. Fahrräder ohne E-Antrieb ersetzen knapp 20 Prozent der Autofahrten. Und die Datengrundlage ist acht Jahre alt. Inzwischen hat sich die Zahl der Pedelecs sicher mehr als verdoppelt und sie ersetzen vermutlich noch mehr Autofahrten. Insbesondere Lastenfahrräder.  2017 nutzten nach Ansicht der Studienautoren vor allem Menschen mit besonderem Interesse und Bedarf das E-Rad, heute ist das Spektrum der Nutzer:innen viel breiter. 

Für mich ist die Erkenntnis der Studie jetzt nicht so überraschend, denn ich beobachte schon lange bei mir und in meinem Umfeld, dass Pedelecs tatsächlich sehr oft wie Autos genutzt werden, also für Alltagsfahrten, die man vorher mit dem Auto gemacht hat. Und ich erlebe, dass Leute sich ein Pedelec kaufen, um damit zur Arbeit zu fahren, weil sie erkannt haben, dass der Weg eigentlich gar nicht so lang ist und dass es unbequem ist, vor Ort Parkplätze fürs Auto zu suchen. 

Pedelecs sind eine andere Fahrzeugsorte

15. September 2025

Bitte nicht nachmachen!

Kann man machen, sollte man aber nicht: aus einem E-Scooter und einem Einkaufswagen ein Kleinstkraftfahrzeug bauen. 

Dieses Gefährt mit sechs Rädern mit zwei Insassinnen habe ich auf einem Radweg auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände in Wangen im Allgäu gesehen. Es kam mir entgegen, während die Frau, die auf dem Foto hinten sitzt, gerade gelenkig in den Einkaufswagen einstieg, und fuhr dann zügig auf abschüssiger Strecke an mir vorbei.

Der Einkaufswagen ist auf den E-Scooter aufgesetzt, die Reibung offenbar groß genug, um ihn darauf zu halten. Vorne drin sitzt auf eine junge Frau mit angezogenen Knien, die den E-Scooter lenkt und den Gashebel betätigt, hinten sitzt die Beifahrerin. 

Ich hoffe, bis auf die Straßen sind sie damit nicht gekommen, aber wer weiß. 

Wenige Tage später hat mir nämlich jemand berichtet, er habe in einer Wohnstraße auch so ein Gefährt gesehen. Der Einkaufswagen hing am Ende des E-Scooters, ein Junge saß darin, der andere Jugendliche lenkte stehend den E-Scooter. Scheint in Wangen im Allgäu gerade in zu sein.  



13. September 2025

Der sicherste Weg zur Schule ist nicht das Auto

Die Schule beginnt kommende Woche wieder in Baden-Württemberg. Und vielen Eltern stellt sich vermutlich die Frage: Wie kommen die Kinder so sicher wie möglich dorthin? Zu Fuß, auf dem eigenen Rad, im Lastenrad oder im Auto? 

Deshalb gucke ich jetzt mal nach dem Risiko einzelner Verkehrsarten für Kinder in unserer Autowelt. Und eines vorneweg: Den meisten Eltern dürfte nicht klar sein, dass es für ihre Kinder am gefährlichsten ist, wenn sie mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Sie vermuten eher, das es andere Autos (und deren Fahrer:innen) sind, die für ihre Kinder gefährlich werden, wenn sie sich draußen allein zu Fuß oder auf Fahrrädern bewegen. Das ist aber nicht so. Die Wahrscheinlichkeit im Auto zu verunglücken ist für Kinder am höchsten. 

Nach einer Statistik des Statistischen Bundesamts werden in ganz Deutschland im Jahr gut 28.000 Kinder im Autoverkehr verletzt. Das ist bei gut 10 Millionen Kindern unter 14 Jahren eine Wahrscheinlichkeit von 0,25 Prozent. Die Polizeistatistik nennt für das Jahr 2024 in Stuttgart 84 im Straßenverkehr verletzte Kinder. Das sind bei 94.000 Schulkindern 0,09 Prozent. 53 Kinder wurden 2024 in ganz Deutschland durch Autofahrende getötet, 9 mehr als im Vorjahr. Die meisten Verkehrsunfälle mit Kindern geschehen auf dem Schulweg. Von den Verletzten (und Getöteten) saßen 35 Prozent im Auto, bei den unter 6-Jährigen waren es 53 Prozent. 33 Prozent saßen auf dem Fahrrad und 21 Prozent gingen zu Fuß, als sie von Autofahrenden angefahren wurden. 

Wieviele Kinder sitzen aber nun in Autos oder fahren Fahrrad? Man könnte ja meinen, die meisten Kinder würden von Elterntaxis zur Schule gebracht, weshalb auch mehr in Autos verletzt werden.

11. September 2025

Reden wir mal miteinander

Manchmal werde ich auf der Straße beim Abschließen des Fahrrads angesprochen: "Sind Sie nicht die Fahrradbloggerin?" Ich freue mich dann, meine Leser:innen kennenzulernen.

Deshalb kam mir die Idee, so etwas wie eine Radfahren-in-Stuttgart-Sprechstunde anzubieten. Ich bin dann eine Stunde vor Ort und, wer Zeit und Lust hat, kommt vorbei und wir reden. Über eure Radstrecken, über Probleme auf euren Strecken, worüber ich mal schreiben soll oder über irgendwas anderes. Das könnten wir so einmal pro Monat oder alle zwei Monate machen, jedes mal an einem anderen Treffpunkt und Wochentag, damit alle, die wollen, die Gelegenheit haben zu kommen. 

Als ersten Termin für eine RiS-Sprechstunde schlage ich Mittwoch, den 17. September 18 bis 19 Uhr in der Eberhardstaße vor. Ich werde mich bei den Sitzelementen vor den Häusern 31 und 33 aufhalten. 

Falls es regnet, könnten wir uns unter die Vordächer der Gebäude zurückziehen. 


9. September 2025

Der Frauenanteil bei Verkehrsdelikten viel geringer

Falschparker auf dem Zebrastreifen
Der Straßenverkehr ist ein Kriminalitätsschwerpunkt, habe ich vor einem knappen Jahr geschrieben. Jede vierte bei Gericht verurteilte Straftat betrifft den Verkehr. Wie bei allen Straftaten gibt es auch bei Verkehrsdelikten  enorme Unterschiede zwischen Männern und Frauen. 

Das Kraftfahrtbundesamt listet jedes Jahr die "Verkehrsauffälligkeiten" auf und hat das auch für das Jahr 2024 getan. Demnach wurden 238.223 Straftaten registriert, darunter Alkoholverstöße (fast 78.000), Unfallflucht (ca. 33.000) oder Kraftfahrzeugrennen (1.912). Ordnungswidrigkeiten wurden 3,88 Millionen vermerkt, darunter Alkohol, Drogen, Radarwarngeräte, Rotlichtfahrten, Handynutzung.  (Übers Falschparken habe ich nichts gelesen.) Als häufigste Ordnungswidrigkeit der Männer werden Geschwindigkeitsübertretungen (1,8 Millonen) genannt. Auch bei den Frauen sind sie die häufigste Ordnungswidrigkeit (547,000), allerdings liegen sie bei nur knapp ein Drittel der der Männer. 

Ich habe keinen Zugang zu den Statistiken, die für das Jahr 2024 die Delikt-Häufigkeit nach Männern und Frauen im Straßenverkehr auflisten. Aber ZDF Info hat das in einem Insta-Video optisch hübsch aufbereitet. Demnach ist das Verhältnis von Männern zu Frauen bei 

7. September 2025

Warum nutzen wir in Deutschland das Potenzial des S-Pedelecs nicht?

In Deutschland sind S-Pedelecs selten. Bei ihnen wird die Kraftzugabe erst ab 45 km/h blockiert, nicht schon bei 25 km/h. Unsere Verkehrsregeln stehen der Nutzung des S-Pedelecs aber entgegen. 

Sie dürfen bei uns nur dort fahren, wo auch Autos erlaubt sind (ausgenommen Kraftfahrstraßen), also auf Fahrbahnen, nicht etwa auf Radwegen oder Feldwegen (es sei denn die sind für Autos freigegeben) oder Waldwegen. Sie werden wie Mofas behandelt. Da sie aber nicht so aussehen, sondern wie Fahrräder, werden S-Pedelec-Fahrende von Autofahrenden oftmals angehupt und knapp überholt, weil sie meinen, die müssten auf dem Radweg fahren. 

In Deutschland sind deshalb nur 0,5 Prozent der E-Fahrräder Speed-Pedelecs, in der Schweiz ist der Anteil bereits auf 25 Prozent gestiegen. Dort dürfen sie nicht nur, sondern müssen  - wo vorhanden - auf Velowegen fahren. Mit abgestelltem Motor dürfen sie auch durch freigegebene Fußgängerzonen (oder Wege mit Mofa-Verbot) gefahren werden. In der Schweiz sieht Pro Velo in den S-Pedelecs das Potenzial, Autofahrten und Fahrten mit Bus und Bahn zu ersetzen, denn vielfach bieten sie die schnellste Möglichkeit von einem Punkt zum anderen zu kommen.

5. September 2025

Die Alternative zum ausladenden Fahrradbügel

Es gibt Radbügel, und es gibt elegantere Möglichkeiten, das Fahrrad abzustellen und anzuschließen. 

An einer Hauswand nehmen diese beiden durchbrochenen Pfeiler nur wenig Platz weg und bieten Besucher:innen trotzdem die Chance, das Fahrrad ordentlich abzustellen und anzuschließen. Gesehen in Wangen im Allgäu. Steht kein Fahrrad dort und bemerkt man sie überhaupt, dann fragt man sich, wozu die da sind. Ich dachte immer, damit das dort einparkende Auto nicht die Hauswand streift. Vielleicht fast zu originell, als dass man als Radler:in von alleine darauf kommen würde, dass man das Fahrrad daran anschließen kann. 

3. September 2025

Null Verkehrstote in Helsinki - wie geht das?

In der finnischen Hauptstadt Helsinki hat es im Juni vergangenen Jahres zuletzt einen tödlichen Verkehrsunfall gegeben. Auch im Jahr 2019 kam kein Mensch im Straßenverkehr ums Leben. 

Des meldeten die Medien Anfang August. Einmütig berichten alle, dass mittlerweile in mehr als der Hälfte der Straßen Tempo 30 gilt. Helsinki ist so groß wie Stuttgart. Allerdings, in Stuttgart gilt Tempo 30 nach Angaben der Stadt für etwa 70 Prozent der Straßen, und auf vielen Hauptverkehrsachsen darf nur 40 km/h gefahren werden. Daran kann es also nicht allein liegen, dass in Helsinki ein Jahr lang keine Mensch im Verkehr getötet wurde. In Stuttgart war der Verkehr 2024 für den Tod von sieben Menschen verantwortlich, darunter zwei Fußgänger, ein Motorradfahrer, ein Leichtkraftradfahrer, ein E-Scooterfahrer und eine Beifahrerin im Auto. 

Als weiterer Grund für Null Verkehrstote innerhalb eines Jahres, wird genannt, dass die Polizei die Einhaltung der Verkehrsregeln strenger überwacht. Vor allem scheint man in Finnland sehr viele Alkoholkontrollen zu machen. Durchfahrtsverbote werden mit Kameras überwacht. Außerdem investiert Helsinki in die Infrastruktur für Menschen zu Fuß und auf Fahrrädern.

1. September 2025

Der lange Kampf des Radlers um ein richtiges Verkehrszeichen

Blogleser Stefan pendelt mit dem Fahrrad zwischen Tübingen und Reutlingen. Dabei muss er durch Wannweil.  Zweieinhalb Jahre lang versuchte er, die Gemeinde dazu zu bewegen, dass sie eine falsche Beschilderung ändert. Nun hat er es geschafft. 

Die Ausgangssituation bis vor wenigen Tagen: Man radelt in Wannweil Richtung Tübingen auf der Fahrbahn der Hauptstraße durch einen Kreisverkehr und soll dann auf der Kirchentellinsfurter Straße fünfzig Meter nach der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr auf den Gehweg hoch fahren, weil da das Verkehrszeichen "gemischter Geh- und Radweg" steht, der zudem als Zweirichtungsradweg ausgewiesen ist. Das Schild steht vor der Stelle, wo der Gehweg durch ein Baumbeet verengt wird. Allein das ist ärgerlich, würde Stefan doch lieber auf der Fahrbahn weiter radeln. 

Doch nun wird es wild.