23. Mai 2019

Wir können das, wenn wir wollen

Neckartalstraße, S-Münster
Kopenhagen war einst genauso Autosstadt wie wir das sind. Dann hat man angefangen, das Radfahren bequemer zu machen als das Autofahren. Und jetzt fahren mehr Leute mit dem Rad in der Stadt herum als mit dem Auto. 

Wir sind dreißig Jahre zurück, was die Mobilitätswende betrifft, aber anders als die Kopenhagener könnten wir es schneller schaffen, weil wir auf deren Erfahrungen zurückgreifen können. Welche das sind, hat der Tagesspiegel hier dargestellt. Ich fasse das unten zusammen.

Am Sonntag sind Gemeinderats- und Europawahlen. Die Zusammensetzung des Gemeinderats ist entscheidend dafür, ob in Stuttgart die Radpolitik fortgesetzt wird, die wir mit dem Zielbeschluss fahrradfreundliches Stuttgart massiv angestoßen haben. Zwar hat der OB den Auftrag, in seinem Haushaltplan im Herbst die Gelder bereitzustellen und die Verwaltung so zu organisieren, dass es mit der Radinfrastruktur schneller geht, aber wenn der Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen dagegen stimmt, weil es für eine moderne Mobilität keine Mehrheit gibt oder weil eine grundsätzliche Oppositions-, Wut- und Ablehnungsstimmung herrscht, dann nützt uns das nichts.

22. Mai 2019

Wie geht es weiter mit der Hauptradroute 2?

Es bleibt spannend bei der HRR2 Wangen, Hedelfingen. 

Nachdem die Bezirksbeiräte wie hier umfassend geschildert die Planung zuerst in einer nicht-öffentlichen Sitzung gut geheißen und in einer öffentlichen wenige Monate später abgelehnt hatten, war sie Montag und Dienstag gerneut Thema in den Bezirksbeiräten, verbunden mit einer Mitteilung des Baubürgermeisters, warum sie entgegen dem Votum der Ortsvertretungen gebaut werden muss.

Nachtrag, Freitag, 24.5.: Die HRR2 wurde vom Gemeinderat am Donnerstag (23.5.) mit 31 Stimmen Mehrheit beschlossen. Für sie stimmten Grüne, SPD und SöSlinke-Plus, ohne den Exstadtisten. Ich als Rednerin für die Grünen und Christoph Ozasek für die Linke wiesen darauf hin, dass sie ein Kompromis ist und nicht dem Standard entspricht, den wir im Zielbeschluss für ein fahrradfreundliches Stuttgart beschlossen haben.

21. Mai 2019

Einbahnstraßen dürfen den Radverkehr nicht behindern

Die Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrende, ist eine preiswerte und wirkungsvolle Maßnahme zur Erleichterung des Radverkehrs. 

Beispielsweise könnte dann ich in Zuffenhausen Richtung Stuttgart-Zentrum die Ludwigsburger Straße ohne Radstreifen mit ihren Autostaus durch die Nebenstraßen umfahren. Hier sind aber bislang keine Einbahnstaßen für Radler freigegeben. Blogleser Ralph hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man diese Freigaben nicht als Kann-Vorschrift betrachten müsste, sondern als den Normalfall.

In den Verwaltungsvorschriften zu Paragraph 45, Abs. 9 der StVO heißt es, dass Verbote, die den fließenden Verkehr ausbremsen oder unterbinden, nur erlaubt sind, wo eine besondere Gefahrenlage besteht.* Bernd Sluka folgert daraus auf seiner Internetseite: "Den fließenden Radverkehr in einer Richtung zu verbieten ist damit zwingend nur bei Vorliegen einer besonderen, das allgemeine Verkehrsrisiko übersteigenden Gefahrenlage zulässig. Da Radverkehr in beiden Richtungen regelmäßig die Unfallzahlen nicht erhöht, sondern sogar senkt, wäre für eine Einbahnstraße unter Einbeziehung des Radverkehrs im Einzelfall nachzuweisen, dass hier wirklich eine atypische, besondere Situation gegeben ist. Ansonsten ist das Verbot des Radverkehrs in einer Fahrtrichtung rechtlich unzulässig."

20. Mai 2019

Falschparken muss teurer werden

Falschparken kostet zu wenig in Deutschland. Einige Verkehrsverbände haben jetzt gefordert, die Bußgelder fürs Parken auf Gehwegen und Radwegen anzuheben. Und zwar auf mindestens 100 Euro.

Auch einen Punkt in Flensburg fordern der Fußgängerverband FUSS e.V., der VCD (Verkehrsclub Deutschland, der klassischerweise alle Mobilitätsformen vertritt) und der Bundesverband Carsharing. Sie wollen, dass das Bundesverkehrsministium den Bußgeldkatalog anpasst. Falschparken ist in Deutschland EU-weit am billigsten.

19. Mai 2019

Mit den Radstreifen von gestern den Radverkehr von morgen hinkriegen, geht nicht

Die Vorschriften und Empfehlungen für den Bau von Radwegen und Radstreifen sind nicht mehr zeitgemäß. Denn sie berücksichtigen den Überholabstand von 1,5 Metern nicht. 

Darauf hat Andreas Braun im Tagesspiegel hingewiesen. Ich sage schon lange, dass die in den ERA (Empfehlungen für den Radverkehr) festgehaltenen Standart- und Mindestbreiten dem Radverkehr nicht gewachsen sind, den wir mit unserer Radinfrastruktur erzeugen wollen. Sie reichen gerade für den Status Quo, also für vereinzelte Radfahrende, nicht aber für viele und unterschiedlich schnelle einschließlich der E-Scooter.

16. Mai 2019

Wenn man die Magstadter Straße überqueren muss

Vor allem im Sommer radeln unglaublich viele Pendler durch Stuttgarts Wälder. 

Sie sind zwischen Botnang und Vaihingen unterwegs oder sie radeln von und nach Weilimdorf. Stuttgart fehlt es an Radtangenten. Entweder man radelt jedes Mal in den Kessel und drüben wieder rauf, oder man erarbeitet sich nach und nach die für einen selbst beste (Sommer-)Strecke durch den Wald. Und dabei träumt man ein bisschen von einem Tangential-Radschnellweg, wenigstens einem! Das aber scheint derzeit völlig unmöglich: Waldwege asphaltieren, also versiegeln, das genehmigt niemand, nicht für Radfahrende.

Sehr viele Radler queren dabei jeden Morgen und jeden Abend die Magstadter Straße an dieser Stelle. Und da könnte man schon was machen, damit es weniger gefährlich ist. 

15. Mai 2019

Alles oder nichts ist keine Option für die Zukunft

Am Dienstag, 21. Mai, hätte im UTA über die Hauptradroute 2, Wangen-Hedelfingen entschieden werden sollen.

Das haben CDU und SPD in den Bezirksbeiräten Wangen und Hedelfingen am Montagabend torpediert. Die Planung, die Anfang des Jahres genau dort bereits fast einstimming angenommen worden war, wurde mit Zweidrittelmehrheit nun wieder abgelehnt. Verschiedenen Berichten zufolge ging es SPD und CDU darum, die Entscheidung auf bis nach der Kommunalwahl zu verschieben. Warum auch immer.

Im UTA (Ausschuss für Umwelt und Technik) hätte sogar die CDU zustimmen wollen, so unser Stand bis Montagabend. Nun hat selbst die SPD deutlich gemacht, dass sie nicht für einen Ausbau des Radverkehrs in vernünftigem Maß ist, wenn es konkret wird, obgleich sie beim Zielbeschluss für ein Fahrradfreundliche Stuttgart noch mit dabei war.   


Die HRR2 ist nun erneut im Bezirksbeirat behandel worden und soll am 23. Mai im Gemeindrat abgestimmt werden.

14. Mai 2019

Im SUV gefangen

Als ich 2006 vom Auto aufs Pedelec umstieg, war mir nicht klar, dass ich mich damit aus der motorwarmen Mehrheitskultur verabschiede.

Ohnehin bin ich in vielen Aspekten nicht mehrheitsfähig. War ich nie. Aber ich war wenigstens Autofahrerin, seitdem ich mir vor vierzig Jahren als junge Frau das erste Auto zulegte: einsteigen, wegfahren, nicht auf Stadtbahnen warten müssen, nach Mitternacht heimkommen könnnen. Es schien bequem. Es wirkt bis heute bequem, mit dem Auto durch Stuttgart zu fahren. Es gibt grüne Welle, viele Fahrspuren und überall Parkplätze. Manchmal halt auch Stau, aber das ist das Autofahrerinnenabenteuer, von dem man immer gut erzählen kann und dafür ein mitfühlendes Stöhnen erhält.

Als Frau, die Fahrrad fährt und sich nicht den SUV zugelgt hat, habe ich mich von dem Freiheitsbegriff verabschiedet, der sich so verbissen ans Auto koppelt, aber auch von dem Sicherheitsbedürfnis, das viele Frauen entwickeln.

13. Mai 2019

Radabstellanlagen schaffen Radverkehr

Möhringen Bahnhof
Unverdrossen fahren Menschen mit dem Fahrrad, auch wenn die Radparkplätze nicht mehr reichen. Geländer sind keine gute Alternative.

In der Innenstadt sind zahlreiche Abstellanlagen entstanden, hauptsächlich, um das Falschparken von Autos zu verhindern. Sie zeigen jedoch ganz deutlich, dass sie gebraucht werden, vor allem, dort, wo auch die Läden sind. Parkplätze weg und Radabstellanlagen hin, das erzeugt Radverkehr und ermuntert Menschen, die kleinen Einkaufswege mit dem Fahrrrad zu machen. Wo es keine Radabstellanlagen gibt, fahren auch nur wenige mit dem Fahrrad hin. Vorreiter war übrigens der Marienplatz mit seinen zahlreichen Radastellanlagen, die von Anfang an voll waren. Inzwischens sind sie überfüllt.