4. August 2023

Das Einkaufswunder

Wo Autos sind, bleiben Menschen weg und sinkt der Umsatz. Wo man Autos aussperrt, steigt er. Weiß man schon lange. Wer es Menschen zu Fuß und auf Fahrrädern angenehm macht, gewinnt Kundschaft. 

Menschen ohne Autos zahlen bis zu 91 Prozent der Umsäze im Einzelhandel, fasst GoodNews zusammen. Deshalb experimentieren weltweit Städte mit autofreien Straßen. Doch kaum will man eine Straße in eine Fußgängerzone und womöglich Fahrradzone umwandeln, protestieren die Händler:innen. Sie glauben immer noch, ihr Umsatz hänge von am Straßenrand stehenden Autos ab, oder anders gesagt, ihre besten Kund:innen seien Autofahrende. Das aber stimmt nicht.

Radfahrende kommen öfter und kaufen mehr ein.

2. August 2023

Ultrarechte in Spanien bauen Radwege zurück

Elche. Oben: der neue Radweg. Unten: So sah es vorher 
und so sieht es vielleicht bald wieder aus.
 
Elche ist eine spanische Stadt bei Alicante. Die EU hat dort die Radinfrastruktur mitfinanziert. Letztes Jahr bekam die Stadt einen Umweltpreis der Gemeinden Spaniens. Nun sollen die Radwege wieder weg. 

Jetzt regiert die rechte Partido Popular und die ultrarechte Vox, die den Klimawandel für Mumpitz hält. Beide haben den Wähler:innen Parkplätze und freie Autofahrten anstelle von Radwegen versprochen. Den ersten Radweg wollen sie abbauen mit dem Argument, an einer Stelle habe es Unfälle mit Autofahrern und Fußgänger:innen gegeben. Zwei andere sollen aber auch weg. Diese Radinfrastruktur wurde zu fünfzig Prozent von der EU finanziert, und die Millionen-Gelder müsste die Stadtregierung dann zurückzahlen. Und noch einmal so viel kostet der Rückbau in Autostraßen. Auch die EU-Strafen für Luftverschmutzung dürften hoch werden. Ideologie ist also sehr teuer.

31. Juli 2023

Für Fahrräder gibt es keine Parkverbote

Es ist erlaubt, Fahrräder überall abzustellen, sofern sie niemanden grob im Weg herumstehen.
Eine Kommune darf keine Verbotsschilder für das Abstellen von Fahrrädern aufstellen und sie darf die Räder auch nicht entfernen.

Das Abstellen von Fahrrädern zählt zum sogenannten Gemeingebrauch an öffentlichen Straßen. In keiner Fußgängerzone kann das verboten werden, das hat 2004 sogar das Bundesverfassungsgericht entschieden (BVerwG 3 C 29.03). Stellt eine Kommune solche Schilder auf, gelten sie nicht. Allerdings aufpassen: Auf einem Privatgrundstück, an einem privaten Zaun, an den Gittern eines Kellerfensters etc. können die Eigentümer:innen das Radparken sehr wohl verbieten (auch wenn die Reifen noch auf öffentlichem Gehweg stehen), denn das Grundstück ist ihres. Unter Umständen hat der Eigentümer dann das Recht, das Fahrrad zu entfernen. Was "unter Umständen" ist, definiert der Bußgeldkatalog nicht. 

29. Juli 2023

Die Schamlosen - Teil 2

In die Radwegschleuse Tübinger Srtaße/Feinstraße reingefahren, geht aber nicht weiter, weil ein städtisches Fahrzeug den Radweg  zur Hälfte blockiert. Und nun? 

Autofahrende bringen sich und andere in missliche Situationen, weil sie irgendwo reinfahren und durchfahren wollen, wo sie nicht fahren dürfen. 

Dieser hier scheint üblicherweise durch die Radwegschleuse an der Feinstraße zu fahren, wird aber heute - wie alle Radfahrenden auch - davon überrascht, dass ein städtisches Fahrzeug zum Bäumegießen die Radwegspur stadtauswärts vollständig blockiert. Radfahrende müssen drum herum, für das Auto reicht der Platz nicht. 

27. Juli 2023

Statussymbol: Auto oder Fahrrad?

Stuttgart Süd
In der Stadt fahren Menschen mit Abitur und höheren Bildungsabschlüssen doppelt so häufig Fahrrad wie noch vor zwanzig Jahren. 

Zugleich sitzen sie dreimal so lang auf dem Rad wie in ländlichen Räumen Menschen ohne Abitur. Das hat der Soziologe Ansgar Hudde an de Universität Köln in zwei Studien festgestellt und dafür mehr als 800.000 Wege ausgewertet, die mehr als 55.000 Befragte zurücklegten. Er führt einen Großteil des Fahrradbooms auf die Bildungsexpansion zurück. Es gibt immer mehr gut gebildete Menschen in Deutschland und sie fahren immer mehr Fahrrad. Einen Teil davon lässt sich damit erklären, dass Menschen mit Uniabschlüssen etwas häufiger in fahrradfreundlichen Städten leben. Aber die Unterschiede in der Fahrradnutzung sieht man auch innerhalb einer Stadt in den Stadtteilen. In Stuttgart wird im Westen und Süden am meisten geradelt, Stadtteile, wo gehäuft das Bildungsbürgertum wohnt. Personen mit Hochschulabschluss nutzen in den Städten das Fahrrad 50 Prozent häufiger als Menschen ohne Hochschulabschluss. Nach Ansicht von Hudde deuten die Ergebnisse daraufhin, dass es der Bildungsstand selbst ist, der zu mehr Radfahren führt.

Und warum ist das so?

25. Juli 2023

Radfahren zwischen Rosensteinpark und Wilhelma

Der steile Weg zwischen Rosensteinpark und Wilhelma ist seit einiger Zeit wieder offen, und man darf ihn mit dem Rad befahren. 

Das durfte man vorher nicht. Eine befahrbare Radverbindung zwischen Pragstraße und diesem Zahntweg an der Wilhelma vorbei gibt es zwar immer noch nicht, denn am Wilhelma-Eingang mit Stadtbahnhaltestelle muss man das Fahrrad schieben. Aber ab dem Rad- und Fußgängerüberweg über die Talstraße zur Neckarbrücke darf man aufsteigen und fährt auf einem Gehweg, der für Radfahrende freigegeben ist. Dort wo die Ein- und Ausfahrt der Wilhelma-Tiefgarage ist, steht ein Vorfahrt-achten-Schild. 

23. Juli 2023

Gerade noch mal gutgegangen

Ein Auto kommt mir auf meiner Fahrspur entgegen. Der Fahrer hat sich bei der Kurve verschätzt, ich bremse und weiche aus. Gerade noch mal gutgegangen. 

Eine Autotür geht auf, links von mir die Straßenbahngleise, ich muss auweichen, jetzt bloß nicht in ins Straßenbahngleis geraten, und hoffentlich kommt nicht gerade hinter mir einer. Ein Autofahrer wechselt ohne Blinker von der linken Spur auf die Rechtsabbiegespur. Zum Glück war ich noch nicht auf die Fahrradweiche gefahren, die zwischen den beiden Spuren liegt. Als ich vom Radweg aus über die Einmündung einer Seitenstraße fahre, höre ich links hinter mir ein Auto eine Vollbremsung machen. Das ist wirklich gerade noch mal gut gegangen, ich wäre tot gewesen, wenn er mich beim Abbiegen nicht gesehen hätte, denn ich habe ihn nicht gesehen, weil vor mir ein Fußgänger gerade in meine Fahrlinie torkelte. Ein Fahrradfahrer, der vor mir fährt, biegt urplötzlich nach links ab, ohne Handzeichen. Gut, dass ich ihn doch nicht gerade dann überholte habe.

Kürzlich lenkte ich mein Fahrrad vom Radweg weg auf eine Freundin zu, ein anderer Radler kam mir in die Quere (er war im Recht, fuhr geradeaus), und ich musste heftig  bremsen. Meine Freundin war entsetzt! Für sie hatte es den Unfall schon gegeben, den es gerade eben so nicht gab. Ich verstand ihr Entsetzen nicht: Sowas passiert doch ständig.

21. Juli 2023

Radweg an B37 bei Heidelberg in Gefahr

Bislang ist er nur ein provisorischer Radweg entlang der Schlierbacher Straße von Heidelberg-Schlierbach nach Neckargünd. Aber er wird begeistert angenommen.  

Laut SWR hat sich auf der 3,6 km langen Radstrecke in wenigen Monaten seit Eröffnung  von 76 auf 300 pro Tag erhöht. Der Zweirichtungsradweg wurde im Mai 2021 eingerichtet, für ihn fiel eine von zwei Richtungsfahrspuren für den Autoverkehr weg. Dieser Radweg stellt, wie aus den Facebookkomentaren zu ersehen, eine echt Alternative zum Autofahren dar. Der Radweg war sogleich so erfolgreich, dass laut einem Bericht der Grünen vom 31. März 2022, eigentlich verbreitert werden müsste, damit die vielen Radler:innen aneinander vorbei kommen. Heidelberg und das Land Baden-Württemberg wollen diesen Radweg nun dauerhaft einrichten. 

Doch am 13. Juli 2023 meldet die Rhein-Neckar-Zeitung: "Muss die B37-Radspur doch wieder für die Autospur weg? Der Rückbau ist alles andere als ausgeschlossen. Bundesverkehrsministerium sieht außergewöhnlichen Vorgang und prüft."

19. Juli 2023

Unser Verkehrsystem ist gefährlich für die ohne Auto

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Opfer im Straßenverkehr gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt kamn 2.788 Menschen um Leben, neun Prozent mehr als 2021. Es sind aber immer noch weniger als im Vorcoronajahr 2019. 

Laut Statistischem Bundesamt gab es mehr Alkoholunfälle, und die vor allem am Vatertag. Und auch die Zahl der Opfer unter den Radfahrenden ist wiederum gestiegen, beziehungsweise gegenüber 2019 unterdurchschnittlich gesunken. 1.992 Menschen (42 Prozent) kamen in Autos ums Leben, 474  (17 Prozent) auf dem Fahrrad, darunter 208 auf Pedelecs, und 368 zu Fuß (13 Prozent). 10 Menschen verunglückten auf einem E-Scooter tödlich. Kurzum: Autofahren wird immer sicherer für die Autofahrenden und immer tödlicher für die, die nicht im Auto sitzen. 

Die taz hat dazu vier Thesen aufgestellt. Kurz gefasst lauten sie: