17. Februar 2020

StVO wird fahrradfreundlicher

Die Novelle der StVO ist vom Bundesrat abschließend beschlossen worden. Die Bundesregierung kündigt eine schnelle Umsetzung an. 

Der Bundesrat hat am 14. Februar zahlreiche Änderungen der Verkehrsregeln beschlossen, viele davon zugunsten des Radverkehrs. Hier eine Übersicht. Sie bringt mehr Vorteile als erwartet, einen festgeschriebenen Überholabstand und endlich die Freigabe für den Erwachsenentransport in Rikschas oder auf Longtails. Bei einigen Regelungen frage ich mich, ob die jemals bei den Autofahrenden ankommen werden und ob die ohnhin überlastete Polizei sie auch durchsetzt. Und eine Temporeduzierung des Autoverkehrs insgesamt ist nicht beschlossen worden. Aber immerhin. Die Novelle wurde übrigens von Baden-Württemberg vor zwei Jahren angestoßen.

Und hier die Neuregelungen im Einzelnen:

15. Februar 2020

Autofahrer bringt Radfahrer zu Fall

Ein Autofahrer hat am Mittwochabend einen Radfahrer zum Sturz gebracht, weil er plötzlich auf den Radstreifen fuhr. 

Die Polizei sucht Zeug/innen, denn der Autofahrer (vielleicht war es ja auch eine Fahrerin) beging Unfallflucht.

Der Radfahrer war gegen 18:40 Uhr auf der König-Karl-Straße Richtung Fellbach unterwegs. Nach der Unterführung unter der Eisenbahn beginnt vom Gehweg herab ein Radfahrstreifen, der rot markiert ist. Offenbar zog ein Autofahrer unversehens auf diesen Radfahrstreifen (die Polizei spricht in ihrer Meldung fälschlich von Radweg) hinüber.

13. Februar 2020

Fahrradunfälle in Stuttgart

Dooringgefahr / Fotomontage
Die Polizei Stuttgart hat über ihr Portal für das vergangenen Jahr 51 Fahrradunfälle gemeldet. Ich habe mir die mal angeschaut. 

Immerhin kam in Stuttgart 2019 keine Radfahrerin, kein Radfahrer durch einen Verkehrsunfall ums Leben.* Den Weg in die Polizeimeldungen finden Fahrradunfälle nur, wenn die Polizei gerufen wurde. Aber auch dann sind es nicht alle, die sich ereignen. Ich kenne jedenfalls Radlerunfälle, die ich nicht in dieser Liste gefunden habe, darunter einen Abbiegeunfall auf dem Radweg Holzstraße und die Stürze der Radfahrenden über die Bakenschine auf der Autoumleitungssstrecke durch die Tübinger Straße, da war in einem Fall die Polizei da, aber die PM dazu gibt es nicht.

Aber nun zur Liste der Polizei, die ist dennoch interessant:

11. Februar 2020

Kopf ab!

An der Kreuzung Breitscheidstaße und Seidenstraße im Westen funktioniert nichts. Hinzu kommt, dass die Beschilderung Rätsel aufgibt. 

Am Einang zur Breitscheidstaße, die für Autos gesperrt ist, steht ein von einem Auto halb umgefahrenes Schild mitten auf der Fahrbahn. Es steht links von der Radspur. Radfahrende, die auf der Radspur fahren, müssen sich richtig ducken. Sonst hauen sie sich den Kopf an. Und das geht jetzt schon wochenlang so. Aber auch noch viel mehr funktioniert nicht. 

9. Februar 2020

Alles neu gemalt am Tagblattturm

Es riecht nach Farbe. Am Freitag haben es viele Radler/innen schon gesehen, die Fahrbahnmarkierungen am Tagblattturm wurden angelegt.

Die anderen sehen es morgen, wenn sie auf der Hauptradroute 1 zwischen Tübinger- und Eberhardstraße unterwegs sind. 

Grund für die Änderung der Farbahnmarkierungen ist eine Baustelle, die eine Fahrspur braucht und anderthalb Jahre bestehen bleibt. Autofahrende düren hier nur nach rechts, Radler überall hin. Das hat aber auch seine Tücken.

7. Februar 2020

Unfallursache Falschparken

Der ruhende Verkehr verursacht viele Unfälle. Nach Angaben des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg waren es 2018 im Land 1.745 Unfälle mit Personenschaden oder schwerem Sachschaden, 14 Prozent mehr als 2015.

Die Dunkelziffer leichterer Unfälle dürfte erheblich sein, bis zu zwei Drittel höher. Statistisch machen die erfassten Unfälle durch Falschparker etwa 5,4  Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden in Ba-Wü aus. Deshalb informiert das Verkehrministerium auf seiner Seite über die Gefahren.

5. Februar 2020

Autofahren ist gezuckerte Schlagsahne

Das Auto als Verkehrsmittel ungeschlagen, titelt für "die steile These" Svenja Bergt in der taz. Oje, ist das wirklich so? Warum fahren wir eigentlich Auto, Fahrrad oder mit Bussen und Bahnen? 

Eine Freundin von mir ist immer Auto gefahren. Wenn sie zum Feiern in die Stadt fuhr, nahm sie allerdings die Stadtbahn und zurück vielleicht ein Taxi, denn den Führerschein wollte sie nicht riskieren. Schließlich brauchte sie das Auto für die weite Fahrt zur Arbeit.

Dann kam die Parkplatznot. In ihrer Wohnstraße wurde wild geparkt, auch von Ortsfremden (kein Parkraummanagement), sie fand abends keinen Parkplatz mehr in Wohnungsnähe. Zuerst wartete sie eine halbe Stunde oder länger im Auto, bis jemand wegfuhr. Schon vor der Heimfahrt der Stress: Werde ich heute abend einen Parkplatz finden? Immer öfter ließ sie das Auto für kurze Wege stehen, um den Parkplatz nicht zu riskieren. Nach einem Jahr Parkplatzvollstress hat sie Auto abgeschafft und fährt seitdem mit der Bahn, und das gern. Ihr Leben ist viel entspannter geworden.

3. Februar 2020

Fahrradweichen sind keine gute Lösung

Wie kann man Kreuzungen für Radfahrende sicher machen? Viele Städte setzen auf sogenannte Fahrradweichen. 

Der ADFC lehnt sie ab, weil sie das Radfahren nicht sicherer machen. Die meisten Radfunfälle passieren, weil Autofahrende abbiegen, ohne die Vorfahrt von Radlern zu beachten (rund ein Viertel), und in Kreuzungsbereichen (knapp ein Drittel), wo Radler selber einbiegen oder abbiegen.

Wie der ADFC darstellt, gibt es bislang nur eine einzige Studie der TU Berlin, die zu dem Schluss kommt, dass zwar die Zahl der Unfälle nach der Markierung von Radstreifen mit Geradeaus-Weichen etwas zurückging, dass aber die schweren Unfälle von Radfahrenden deutlich zunahmen. 

Warum das so ist, wissen wir Radler und können es auch anderen logisch erklären.

1. Februar 2020

Schluss mit dem Radioprivileg der Autofahrer

Ab heute sind im Deutschlandfunk keine Verkehrsmeldungen mehr zu hören. 

Zum einen ist das Angebot überflüssig geworden, weil zwei Drittel der Autofahrenden über ihre Navis informiert werden. Zum andern, warum soll man eigentlich ausgerechnet den Autofahrenden in Zeiten der Klimakatastrophe mitteilen, wo sie sich gegenseitig den Weg versperren. Hören müssen das alle, auch die, die zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit der Bahn unterwegs sind oder sein wollen.