4. Juni 2022

Das Problem mit den S-Pedelecs

Es gibt kaum Strecken, auf denen sie fahren können. Radwege sind verboten und viele Überlandstraßen im Grunde viel zu gefährlich, vor allem nachts. 

S-Pedelecs bekommen Motorkraft bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h, während Pedelecs ab 25 km/h ohne Motor fahren. Eine Österreichische Studie hat jedoch gezeigt, dass S-Pedelcs nicht so schnell gefahren werden, wie sie können, sondern in der Stadt mit durchschnittlich 28.7 km/h und außerorts mit durchschnittlich 31,7 km/h unterwegs sind. Für Pedelecs lagen die Werte bei 23,9 bzw. 24,6 km/h. 

Mit S-Pedelecs ist man also nur etwas schneller unterwegs als mit normalen Pedelecs.

2. Juni 2022

Neue Fahrradweiche macht es einfacher

Wo sich die Olgastraße in die Neue Weinsteige und die Filderstraße teilt, wurde der Schutzstreifen neu gemacht und eine Fahrradweiche angelegt. 

Wenn man sich das alte Bild mit dem vorigen Zustand ganz unten anschaut, sieht man: Der Schutzstreifen wurde vom Bordstein weg in die Fahrbahn verlegt und neue Parkplätze geschaffen, zu denen der Schutzstreifen immerhin einen Sicherheitsabstand hält. Die Fahrbahn wurde dadurch schmaler. Die rote Fahrradweiche stellt optisch klar, dass der Linksabbiegeverkehr die Hauptrichtung ist, und alle, die in die Filderstraße wollen, den Radstreifen queren. 

Vorher streckte man vor dieser Gabelung so früh wie möglich den linken Arm raus und verließ dabei schon sehr früh den Schutzstreifen Richtung Fahrbahnmitte, damit allen nachfolgenden Autofahrer:innen klar war, dass man nach links hoch will. Manche schossen dann rechts an einem vorbei geradeaus in die Filderstraße. 

31. Mai 2022

Gefährliche Ampelschaltung am Landtag

Am Dienstag vor einer Woche gab es einen schweren Fahrradunfall auf dem Rad- und Fußgängerüberweg über die Konrad-Adenauer-Straße am Landtag. 

Nach Angaben der Polizei wollte eine Radfahrerin die Ampelanlage vom Landtag Richtung Landesbibliothek überqueren. Die Ampel der Fahrspur auf ihrer Seite zeigte rot. Sie fuhr trotzdem und wurde von einem Auto erfasst und auf die Fahrbahn geschleudert, der Fahrer eines weiteren Autos konnte gerade noch bremsen. Die Stuttgarter Zeitung (Bezahlschranke) stellt die Frage, wie sicher diese Ampelschaltungen eigentlich sind: Drei Verkehrsinseln mit unterschiedlichen Grünphasen über vier Fahrtrichtungsspuren. Während die Mittleren grün zeigen, haben die an den Rändern rot. Womöglich habe die Radfahrerin zu weit geschaut und nur das Fußgängergrün auf der Mittelfahrbahn gesehen. Das halte ich für eine plausible und tragische Erklärung. Und das passiert gar nicht so selten.

29. Mai 2022

Das Klimaschutzprojekt Wilhelmsplatz

Jedes Mal, wenn ich auf dem uralten Radweg Richtung Heusteigviertel an der Ampel am Wilhelmsplatz in Stuttgart stehe und auf Grün warte, muss ich schmunzeln. 

Und zwar, wenn mein Blick auf dieses Schild, das am Mast oberhalb der Radlerampel und des Wegweisers hängt. Darauf steht: "Das Klimaschutzprojekt. Radverkehrsmaßnahme Wilhelmsplatz der Landeshauptstadt Stuttgart wurde im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums gefördert." 

Das Klimaschutzprogramm ist ja an sich eine sehr gute Sache. Auch Radwege und Radfahrstreifen sind eine gute Sache.

27. Mai 2022

Sind Radfahrer:innen wirklich gesünder?

Ja, sind sie. Wer regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit pendelt, hat eine höhere Lebenserwartung und hat ein kleineres Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Das hat eine britische Studie festgestellt.  

Untersucht wurden die Zensus-Daten von 300.000 Menschen aus Wales und England, die zwischen 1991 und 2016 aufgezeichnet wurden. Solche Daten vermerken nicht nur die Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit, sondern auch schwere Erkrankungen und frühen Tod. Demnach ist Autofahren die ungesündere Art des Pendelns. 20 Prozent der Autofahrenden sterben früher als Radpendler:innen. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln pendelt hat immerhin gegenüber Radfahrenden noch ein 10-prozentig geringeres Risiko frühzeitig zu sterben. Ähnlich verhält es sich bei ernsten Erkrankungen, wie das Fachmagazin The Lancet Planetary veröffentlicht hat. Radfahrende haben im Vergleich zu Autopendler:innen ein um 24 Prozent geringeres Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben (Bahnfahrer 20 Prozent). Das Risiko an Krebs zu sterben, verringert sich um 11 Prozent. 

Der Grund ist einfach: Menschen, die nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren, bewegen sich mehr und öfter.

25. Mai 2022

Zweirad-Unfälle genau betrachtet

Die Allianz hat eine umfangreiche und differenzierte Studie zu Unfällen und Unfallrisiken von Zweiradfahrenden (Rad, Pedelec, Mofa, Motorrad, E-Scooter) vorgestellt. Demnach dominieren Alleinunfälle. Und Helme verringern das Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen. 

Die Sache mit den Helmen wurde sofort von den berichtenden Medien aufgegriffen, genauso wie die Häufigkeit von nächtlichen Trunkenheitsfahrten auf E-Scootern, deren Fahrer:innen von Helmen sehr profitieren würden, und dass die Unfallzahlen bei Pedelec-Radler:innen stark steigen. Die Studie von Allianz Zentrum für Technik positioniert sich zwar, belegt die Erkenntnisse aber durch statistische Analysen. Frappierend ist vor allem, dass sich bereits in den ersten zehn Monaten des Jahres 2021 die Zahl der mit E-Scooter Verunglückten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 153 Prozent von 1.584 auf 4.001 erhöht hat. 

Grundsätzlich bergen überall hohe Geschwindigkeiten die größten Risiken. 

23. Mai 2022

Ups! Was ist denn das?

Der Radweg zwischen Karl-Benz-Platz und Arlbergstraße unter der Eisenbahnbrücke in Untertürkheim war ewig wegen Bauarbeiten nicht befahrbar und wurde dann als Bausfahrzeugabstellplatz genutzt. Jetzt hat er eine eigenartige Auffahrt bekommen.  

Blogleser Alex wundert sich und hat mir die Fotos geschickt. Biegt man vom Benz-Platz her kommend neben der U-Bahn-H
altestelle auf der Fahrbahn nach rechts ab Richtung Bahnunterführung (gelber Preil auf Karte ganz unten), stößt man gleich hinter den Schienen auf diese Auffahrt, die zwischen zwei Sperrgitter geklemmt ist. Da heißt es hurtig abbremsen (hoffentlich fährt kein Auto hinter mir), und den Lenker rumreißen. Der Radius der Rechtskurve ist auch recht groß, und diese komisch Auffahrt bemerkt man vermutlich - zumindest beim ersten Mal - gar nicht rechtzeitig, auch weil man ja schon Tempo drauf hat, schließlich ist das eine Autofahrbahn mit drängeligen Fahrzeugen hinter einem.

19. Mai 2022

Auf die Kleinigkeiten kommt es wirklich an

An der Lautenschlagerstraße steht seit vermutlich mindestens einer Woche ein Durchfahrtsverbotsschild Richtung Bolzstraße. Das gilt für alle, auch für Radfahrende. 

Was natürlich die Fahrer der Autos, die da parken, nicht gehindert hat, reinzufahren, was auch noch am Donnerstag vor einer Woche auch kaum einen Autofahrer hinderte, weiterzufahren. Eine Woche später (gestern) sah ich viele Autofahrenden tatsächlich umdrehen. Aber wieder parkten Autos in der Straße, und viele fuhren mit ihren Autos dennoch rein, einfach so an einem Verkehrszeichen vorbei, das allen Fahrzeugen die Einfahrt verbietet. 

Natürlich fahren auch Radfahrende hier weiter, obgleich auch sie nicht dürften, denn es gibt keine Radfreigabe (die habe ich inzwischen angemahnt). Da das Verkehrszeichen vor einer Woche anders stand als diese Woche, vermute ich, dass es kein Versehen ist, also kein irgendwie stehengelassenes und falsch gedrehtes Schild. Offenbar vermuten das aber viele, die anhalten und sich überlegen, ob sie weiterfahren sollen: Ist das so gemeint oder eine Versehen? Und woran erkenne ich das? 

Allein, dass man sich in Stuttgart diese Frage stellt, ist verheerend für die Verkkehrsmoral.

Fakt: Radfahrende nehmen Rücksicht

Noch mal das Thema, wer verstößt öfter gegen Regeln und wer fährt rücksichtlos? Vor zwei Jahren fragte sich das auch ADFC Sachsen und wertet dabei eine Studie aus, die in den USA gemacht wurde. 

Aus der geht hervor, dass fast 100 Prozent aller Verkehrsteilnehmer:innen - Autofahrende, Fußgänger:innen und Radfahrende - gegen Verkehrsregeln verstoßen. Die Studie  Scofflaw bicycling: illegal but rational gewinnt ihre Erkenntnisse aus online-Befragungen, die sich nach dem Schneeballsystem verbreiteten. Die rund 18.000 Menschen, die mitmachten, bekamen Bilder (Bild 2) von Verkehrssituationen zu sehen und wurden gefragt, wie sie sich verhalten. Ihre Antworten wurden bewertet von gesetzenskonform, über leichten bis schweren Verstoß gegen die Verkehrsregeln bis hin zu gefährlich rücksichtslos. 

Von den Befragten wählten 99,97 Prozent der Autofahrer:innen wenigstens einmal eine Antwort aus, die einen Gesetzesverstoß darstellt. Bei den Radfahrenden waren es 97,9 Prozent und bei den Fußgänger:innen 95, 9 Prozent. Das zeigt ziemlich deutlich, dass nicht nur die Radfahrenden diejenigen sind, die ständig gegen Regeln verstoßen. Wobei die überwiegende Mehrheit der Radfahrenden nach Darstellung des ADFC Sachsen nur leichte Verstöße beging, bei denen niemand gefährdet wurde. Und dafür gab es meist einen sehr vernünftigen Grund: die eigene Sicherheit.