5. März 2024

So beeinflusst die Sprache unsere Wahrnehmung von Verkehrsunfällen

Wie könnten Journalist:innen besser - also neutraler - über tödliche Zusammenstöße im Straßenverkehr berichten? Dieser Frage ist Tara Goddard von der Texas A&M University 2019 nachgegangen. 

Die Ergebnisse der Studie sind auf Englisch nachzulesen. Ich fasse sie hier zusammen. Goddard wunderte sich darüber, dass die zunehmende Zahl von Todesfällen bei den Fußgänger:innen in den USA keine öffentlichen Aufrufe zum Handeln erzeugten, und stellte fest: Die Art und Weise, wie die Presse berichtet, entscheidet darüber, beim wem die Lesenden die Schuld suchen: beim Menschen, der Auto fährt, bei der Person, die zu Fuß gegangen (oder Rad gefahren) ist, oder bei der schlechten Infrastruktur. Für die Studie wurden 999 Proband:innen je eine von drei Versionen eines Nachrichtentextes vorgelegt, in dem der tödliche Verkehrsunfall eines Fußgänger beschrieben wird. Danach sollten die Proband:innen sagen, wen sie für schuldig hielten, eine angemessene Bestrafung für den Autoahrer vorschlagen und Ansätze zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bewerten. Das Ergebnis war eindeutig und sollte allen, die Nachrichtenmeldungen über Verkehrsunfälle schreiben, zu denken geben. Zumal es eine Lösung gibt. 

Hier zunächst auf Deutsch übersetzt die drei Versionen des Pressetextes.

3. März 2024

Uns überrascht das nicht

Offenbach hat ein "gewagtes" Experiment gestartet und auf einer Hauptverkehrsstraße zwei von vier Fahrspuren weggenommen und in Radspuren umgewandelt. Gewagt? Nein, nicht wirklich. Es ist nicht schlimmes passiert. 

Schon 2020 zeigte der Radentscheid Offenbach mit Pop-up-Radwegen auf dieser Waldstraße, dass Radfahren in Offenbach schöner sein kann (Foto: vorher und 2020). Ab Juli 2023 läuft der Verkehrsversuch mit Radfahrstreifen. Die Presse zeigte sich überrascht. O Wunder, der Stau blieb aus. Als Stau haben die Verkehrswissenschaftler:innen schon ausgemacht, wenn Autofahrende zwei Rotzyklen an einer Ampel warten müssen und nicht gleich beim ersten Grün rüber kommen. Autofahrende weichen auch nicht in Parallelstraßen aus. Diese Befürchtungen - Stau und Ausweich-Autoverkehr - hatte man im Vorfeld vorgebracht und bringt man auch in Stuttgart immer vor, wenn Autofahrbahnen zugunsten anderer Verkehrsarten verengt werden sollen. Diese Argumente waren und sind immer falsch.  

Uns überrascht das also nicht.

1. März 2024

Liebe Eltern, chauffiert eure Kinder nicht!

Liebe Eltern, was tut ihr euren Kindern an? Ihr setzt sie schlaftrunken auf die Rücksitze eures Autos und fahrt sie in den Kindergarten oder zur Schule. 

Eure Kinder haben nur diese eine Kindheit, und die verschlafen sie auf den Rücksitzen von Autos. 

Sie kriegen nichts mit von ihrer Umwelt, sie sehen nicht nur nicht, was sich auf dem Weg zur Schule befindet, sie bekommen auch keine Vorstellung von ihrer nächsten Umgebung, von der Welt da draußen. Und sie bewegen sich nicht, sie erobern sich nicht ihre kleine Welt, sie lernen nicht, sich auch mal selbst zurechtzufinden und selbst eine Entscheidung zu treffen. 

Der ADFC listet unter dem Titel "Kinder aufs Rad" einen typischen Tag für ein Kind auf.

29. Februar 2024

Esslinger Straße dicht für Radverkehr

Das Breuningerparkhaus wird abgerissen und durch das Film- und Medienhaus mit Parkhaus ersetzt. Wegen der Baustelle müssen zwei Fahrspuren der B14 im Seitenraum gesperrt werden. Der Autoverkehr soll durch die Esslinger Straße rollen. 

Deshalb wird die Esslinger Straße umgebaut, damit es für Autofahrende eine Ausfahrt zum Chatlottenplatz gibt. Nur der Bus darf dort dann aber noch nach rechts in die Charlottenstraße abbiegen, der Autoverkehr nicht. Er soll sich in diese Richtung über die Olgastraße bewegen. Alle Versuche im Gemeinderat, die Esslinger Straße von diesem Durchgangsautoverkehr freizuhalten (auch und vor allem der Gewerbetreibenden wegen) sind am strikten Nein des Ordnungsamts gescheitert. Für alle Verkehrsarten, so wurde betont, blieben die Wegebeziehungen erhalten, aber da hat man nur an Fußgänger:innen gedacht und natürlich an den Autoverkehr. Der Radverkehr kommt nicht mehr durch.

28. Februar 2024

Mythos - Radfahrende zahlen keine Steuern

Immer wenn wir mehr Radinfrastruktur fordern, begehrt irgendwann jemand auf und sagt: "Dann sollen Radfahrer aber auch endlich mal Steuern zahlen." 

Das finden dann viele, die meinen, mit ihren Steuern fürs Auto würden sie den Straßenbau finanzieren, ganz toll und die Likes steigen. Aber wer das sagt, begeht mehrere Denkfehler. Blog2help hat sich damit sehr genau auseinandergesetzt, was man im Original hier nachlesen kann. Ich fasse es zusammen. 

Die Radinfrastruktur kostet zu wenig, als dass man dafür eine Steuer erheben könnte. Zwischen 2.50 Euro und 20 Euro geben Städte pro Einwohner:in und Jahr für den Radverkehr aus. In Stuttgart sind es 12 Millionen oder 20 Euro pro Einwohner:in. Da in der Regel fast 80 Prozent der Menschen Räder besitzen, müssten fast alle Fahrradsteuern zahlen. Aber eben nicht mehr als 2,30 bis 20 Euro pro Jahr. Der Organisationsaufwand für dein Einzug solcher Steuern (bei nicht Fahrradbesitzenden dürfte man sie ja nicht kassieren) würde die Einnahmen um ein Vielfaches übersteigen. 

26. Februar 2024

Krasser Egoismus hinterm Lenkrad

Das kennen wir schon lange. Die Autotransporter stehen auf dem Radweg an der Heilbronner Straße. Alles ist dicht. 

Diese Frechheit gegenüber den Menschen zu Fuß und auf den Fahrrädern scheint von den Ordnungskräften toleriert zu werden. Andernfalls hätte es längst eine polizeiliche Ansprache in den zuständigen Autohäusern gegeben. Danach sieht es für uns aber nicht aus. Denn die stehen da immer noch regelmäßig.

Blogleser Martin, der mir die aktuellen Bilder geschickt hat, schreibt mir: "Inzwischen wird am Pragsattel von den Porsche- und Toyota-Häusern der Radweg als Dispositionsfläche missbraucht.

24. Februar 2024

Zack, zu - das böse Baustellenspiel

Es muss gebaut werden. Völlig einverstanden damit. Aber warum hört der Radweg einfach auf? 

Plötzlich steht ein Radverbotsschild an der Hecke Heusteigstraße an der Lehenstraße, die hier Radfahrende runter führt zur Ampel an der Hauptstätterstaße, die man Richtung Fahrradstraße Tübinger Straße überquert. Ein beliebter Weg. Jetzt zu. Umleitungsschilder gab es erst einmal nicht - Radfahrende kennen sich ja aus -, inzwischen sind sie aufgestellt worden. 

Ich habe mir dann angeschaut, warum ich da nicht reinfahren darf, obgleich es doch in diesem Straßenabschnitt überhaupt kein Problem bis runter zum Aufstellungsplatz an der Ampel für Radfahrende gibt. Aha: Jenseits der Hauptstätterstraße dann noch mal die das Radfahren-verboten-Schild. Radstreifen so halb gesperrt. 

22. Februar 2024

Der Flughafentunnel ist die Nagelprobe für die Verkehrswende

Wird die Politik es schaffen, ihn für Radfahrende befahrbar zu machen, oder gewinnen wieder die Autofahrenden?

Das Grundproblem: In dem Tunnel, der unter dem Flughafen hindurchführt, gibt es nur auf einer Seite einen Gehweg, der nach einem Drittel sehr schmal wird (keinen Meter breit). Radfahrende dürfen ihn in Schrittgeschwindigkeit benutzen (niemand radelt Schrittgeschwindigkeit!), obgleich er zu eng ist für jegliche Begegnung. Der Tunnel ist 500 Meter lang, 3 km sind es zwischen Bernhausen und Plieningen. Die Umgehungsstrecken für Radfahrende sind bis zu fünf Kilmeter lang. Das ist ein wirklicher Umweg, der bis zu zwanzig Minuten mehr Zeit kostet. Für den Autoverkehr, der den Tunnel umfahren müsste, falls eine Fahrbahn gesperrt wird, verlängern sich zwar die Strecken auch, aber sie sind in der gleichen Zeit oder sogar in kürzerer Zeit zu befahren, wie das auch die Stuttgarter Zeitung im März 2023 schon berichtet hat. Wie die Stuttgarter Zeitung ebenfalls in anderm Zusammenhang erklären lässt, erzeugt die Sperrung einer als wichtig empfundenen Verbindung für den Autoverkehr das, was man Verkehrsverpuffung nennt. Es gibt nach einiger Zeit keine Staus mehr auf den umliegenden Strecken, der Autoverkehr nimmt insgesamt ab, auch deshalb, weil es für andere Verkehrsmittel auf einmal viel attraktiver wird und mehr Leute beispielsweise das Fahrrad nehmen. 

20. Februar 2024

Zusammenstoß von Radfahrer und Lkw-Fahrer am Bahntunnel Cannstatt

An der Kleemannstraße in Cannstatt sind ein Radfahrer und ein Lkw-Fahrer zusammengestoßen. Der 69-jährige Radfahrer wurde schwer verletzt. 

Wir wünschen ihm eine baldige und vollständige Genesung. 

Dem Polizeibericht zufolge hatte er die Eisenbahnbrücke auf dem aus seiner Sicht linksseitigen Gehweg unterquert, was verboten ist. Es steht auch ein Schild dort, das das Radfahren Richtung Stuttgart verbietet. Er kam dann aus dem Tunnel heraus, bremste offenbar nicht, was offenbar auch der Lkw-Fahrer nicht tat (der vermutlich angestrengt nach links schaute, um eine Lücke im Verkehr zu finden). Dem Lkw-Fahrer wird hier allerdings eine Mitverantwortung gegeben werde müssen, denn Radfahrende, die parallel zur Vorrangstraße fahren, haben (wie der Autoverkehr auch) Vorfahrt vor dem Verkehr, der aus einer Seitenstraße heranfährt. Das gilt auch bei Zweirichtungsradwegen in beide Richtungen (was sie auch so gefährlich macht), und das gilt selbst dann, wenn der Gehweg oder Radweg gar nicht in diese Richtung für Radfahrende freigeben wurde. Der Lkw-Fahrer hätte also warten und den Radfahrer vorbei lassen müssen. Zumal von seinem Fahrzeug die größere Gefahr ausgeht.