14. April 2019

Stuttgarter Schelmenstück - Radlerumleitung durch U-Bahn-Station

Hui, Spiralrampe runter, durch die querenden Bahnreisenden schlingern, Strampel, Spiralrampe wieder rauf. 

Das Stuttgarter Kuriosum ist nur für eine Woche zu besichtigen und zu befahren. Also beeilen, angucken, staunen! Ohnehin ist die gesamte Radlerumleitung der Hammer.

Am Neckartor wird die Fahrbahn mit einem Straßenbelag versehen, der Stickstoffdioxid reduzieren soll. Autos können stadteinwärts noch fahren, stadtauswärts aber nicht, sie werden über die Neckarstraße in die Heilmannstraße umgeleitet, zweispurig. Deshalb ist rundum alles für Fußgänger/innen und Radfahrende kurzerhand dicht gemacht worden. Wir sehen uns einem Verhau von roten Gittern und einem Wald von gelben Umleitungsschildern gegenüber. Die Radspur auf der Neckarstaßre Richtung Zentrum endet beim Autohaus.

13. April 2019

Radfahren ist Dünger fürs Gehirn

Für mich ist das Radfahren wie ein Kurzurlaub. Und ich komme erfrischt und tatendurstig an meinem Ziel an. Eine Erfahrung, die viele Radfahrende machen. 

Radfahren ist gesund, wissen wir. Aber es ist auch extrem gut für's Gehirn. Schon eine Stunde pro Woche auf einem Fahrradergometer (oder Fahrrad) erhöht nachhaltig die Ausschüttung von Neurotrophinen, also Wachstumsfaktoren in Muskulatur und Gehirn. Das Eiweiß BDNF sorgt dafür, dass Nervenzellen und neue Verknüfpungen zwischen den Nervenzellen entstehen. Je mehr Gehirnzellen und je mehr neuronale Verbindungen, desto besser die geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen. Wer drei bis fünf mal die Woche sechs bis zehn Kilometer zur Arbeit radelt (und zurück) hat bereits irre viel für sein Gehirn getan. Das belohnt ihn ode sie mit Einfällen, Gedächtnisleistungen und Selbstvertrauen.

11. April 2019

Stuttgarter Gehäcksel

Der Radfahrstreifen inVaihingen entlang der Möhringer Landstraße und auf der Vahinger Straßen von Möhringen ist sichtlich in die Jahre gekommen und hat seine Tücken.

Inzwischen sind die weißen Begrenzungstreifen abgefahren und brüchig. Und man sieht der Gestaltung an, dass seine Planung eher aus vor-ERA-Zeiten stammt. Vor sechs Jahren habe ich schon mal über ihn geschrieben. Da war er frischer und später in Möhringen auf der Vaihinger Staße noch teils im Bau. Er ist 2 Meter breit. Autos haben 3 Meter für sich. Das geht allerdings nicht lange so.

10. April 2019

Fahrradklimatest des ADFC - die Angst nimmt zu

Der ADFC hat am Dienstag die Ergebnisse der Umfragen zum Fahrradklima in deutschen Städten vorgelegt. Der Test wird alle zwei Jahre gemacht.

In Stuttgart hat sich die Einschätzund der Radfahrenden nicht verändert. Die Stadt bekommt fast überall schelchte Noten zwischen 4 und 5.

Stuttgart liegt unter den Großstädten von über 500.000 Einwohnern hinter Leipzig auf Platz 10 von 14. Besonders bemängelt werden die fehlende Kontrolle von Falschmarkern (5,2) auf Radwegen und Radstreifen. Schlecht schneidet auch ab, dass wir hier viel zu viel im Mischverkehr mit Autos (4,9) radeln müssen und unsere Radinfrastruktur schmal und eng ist. Tiefpunkt ist das schlechtes Baustellenmanagment (5) für Radfahrende. Auch die Sicherheit kommt nicht gut weg (4,5). In Stuttgart werden Radfahrende nicht wirklich akzeptiert und es fahren zu wenige Alte und Junge mit dem Fahrrad, so die Einschätzung der rund 1.300 Menschen, die den Fragebogen ausgefüllt haben.

9. April 2019

Welche Privilegien denn? - Der Vorschlag der Länder

Das sind die 15 Vorschläge der Länder, die den Radverkehr sicherer machen, aber auch erleichtern sollen. 

Auch wenn CDU und FDP zetern, dies sei eine Privilegierung von Radfahrenden und die Radrowdies stünden schon auf den Startpedalen, so enthalten die Vorschläge der Länder-Verkehrsminister zum größten Teil Maßnahmen, die eh schon gelten, nur nicht explizit. Bisher sind Radfahrende (wie Fußgänger/innen) im Straßenverkehr unteprivelegiert, sie müssen fast immer zurückstehen, lange warten, haben kaum Raum. Das Auto dominiert komplett unsere Straßen und Städte. Es ist geradezu irrsinnig privilegiert. Die Vorschläge schaffen nicht einmal annähernd Gerechtigkeit, denn über Ampelschaltungen und Durchgängigkeit und Schutz von Radwegen sagen sie nichts. Innovative Ideen, die die Mobilitätsbesonderheiten des Radfahrens berücksichtigen, fehlen völlig. Hier die 15 Punkte im Einzelnen wie sie Spiegel-online veröffentlicht hat, kommentiert von mir.


7. April 2019

Revolution auf der Straße - die E-Scooter kommen

Elektro-Tretroller werden in wenigen Wochen bei uns legal gefahren werden dürfen. Das Bundeskabinett hat eine entsprechende Verordnung beschlossen. Der Bundestag wird wohl zustimmen.

Entgegen der ersten Pläne ist kein Mofaführerschein dafür nötig. Einen Helm muss man auch nicht aufsetzen. Mit E-Scootern, die bis zu 20 km/h schnell sind, muss man auf Radwegen und Radstreifen fahren und, wo keine sind, auf der Straße (allerdings außerhalb geschlossener Ortschaften darf man nicht auf der Straße rollern). Gehwege sind verboten außer für solche, die nur bis zu 12 km/h schnell sind. Fußgänger/innen dürfen aber weder erschreckt noch behindert werden. An Ampeln gelten die Fußgängerzeichen. Ich nehme mal an, aber ausdrücklich geregelt ist das nicht, die langsamen E-Scooter haben dann auch auf Zebrastreifen Vorrang vor Autofahrern. Und man braucht eine Haftpflichtversicherung dafür und den entsprechenden Aufkleber, der irgendwo angebracht sein muss. Das wird lustig auf unseren Straßen.

5. April 2019

Es ist wirklich gefährlich am Rosensteinbunker

Bislang hat sich die Situation am Radüberweg am Rosensteinbunker nie verbessert. Nur dass immer mehr Radler dort unterwegs sind. 

Zum zweiten Mal habe ich eine Radlerin gesehen, die sich ahnungslos in Lebensgefahr gebracht hat, weil sie sich nach der Fußgängerampel richetete, nicht nach der Radlerampel.

Ich weiß, es ist nicht spannend, wenn ich immer wieder über dieselben Stellen schreibe. Aber auf einem der meistberadelten Radstrecken wird es nicht besser, sondern kritischer, je mehr dort radeln. Nur die Wegweiser stehen jetzt richtig.

Wer da unter der Woche radelt, kennt sich aus. Aber die unendlich vielen Radler/innen am Wochenende nicht. Sie sehen sich eine komplexen Abfolge verschiedener Ampeln und Infrastrukturen gegenüber:

3. April 2019

Wie kriegen wir die Ängstlichen aufs Fahrrad?

Radfahrend darf keine Mutprobe sein. Solange Nicht-Radler das Radfahren in Stuttgart für gefährlich halten, wird der Radverkehr nicht nennenswert zunehmen. 

Das Potenzial ist aber riesig. Die, die radeln würden, aber sich angesichts unseres Gestückels und der Automassen nicht trauen, liegt bei über 50 Prozent.

2005 hat Roger Geller (Portland, Oregon) vier Radfahrtypen identifiziert, die man sich hier journalistisch zusammengefasst anschauen kann.
  • Die Starken & Furchtlosen (ca. 1 Prozent, hauptsächiche junge Männer)
  • Die Begeisterten & Zuversichtlichen (7 Prozent)
  • Die Interessierten & Besorgten (60 Prozent)
  • und die, die unter keinen Umständen jemals Fahrrad fahren wollen (33 Prozent). 

1. April 2019

Schlechte Radinfrastruktur als Unfallursache Nummer 1

Die Unfälle mit Radfahrenden nehmen zu. Auch die Zahl der Radfahrenden nimmt zu. Über die Unfälle haben wir genaue Zahlen, über die größer gewordene Zahl der Radfahrenden nicht. 

Wir sehen, dass das Mehr an Radfahrenden in Stuttgart für den Effekt der Sicherheit durch Menge (Safety in Numbers) noch nicht reicht. Dieser Effekt bedeutet, dass ab einer gewissen Menge von Radfahrenden die Autofahrenden so sehr an sie gewöhnt sind, dass sie auf sie achten. Im Verhältnis zur Zahl der Radfahrenden sinken dann die Unfälle. Das ist beispielsweise in den Niederlanden so. Oder in Münster, wo Einheimische genau wissen, wie sie mit Radlern umgehen müssen. Eine Radfahrerin aus Münster erzählte mir, dass sie bei kritischen Begegnungen guckt, ob das Auto ein auswärtiges Nummernschild hat, dem begenet sie dann misstrauischer.  Bei uns ist die Radinfrastruktur mit dem wachsenden Radverkehr nicht annähernd mitgewachsen.