4. September 2022

Ist Radfahren Ideologie und Autofahren nicht?

Im politischen Diskurs um die Verkehrswende haben die Rechten (also, die, die unbedingt wollen, dass der Verkehr so bleibt wie er ist: autobetont), das Wort "Ideologie" als Kampfbegriff gegen alle etabliert, die eine Verkehrswende wollen. 

Da heißt es dann "Rad-Ideologie" oder "Wir machen Verkehr ohne Ideologie", und alle verstehen das genau so, wie diese Leute es meinen: Fahrradpolitik sei ideologisch, eine Politik fürs Auto nicht. Also: Veränderung geschehe immer aus einer Ideologie heraus, das Beharren auf dem Status quo dagegen habe damit nichts zu tun. 

Es gibt ausgefeilte Definitionen von Ideologie, aber vielleicht können wir uns hier auf auf diesen Aspekt einigen: Ideologie unterwirft die Erkenntnis der Welt und die eigenen Argumente immer einer Absicht, die blind macht für Wirklichkeit. Ich habe mich schon vor sechs Jahren darüber gewundert, dass Radfahren eine Ideologie sein soll, Autofahren aber keine. 

2. September 2022

Mehr Fahrrad auf dem Land ist möglich

Auch auf dem Land geht viel mehr mit Fahrrädern, als man immer denkt. Zur Arbeit hat man vielleicht einen Weg von 20 bis 90 km. Andere Wege sind dagegen kürzer als in der Stadt. 

Dass auch längere Arbeitswege oftmals mit Pedelecs zu schaffen sind - und mit deutlich mehr Vergnügen und Wohlbefinden als mit dem Auto - schildert eine Familie aus Bayern hier B24. Die fährt Rad, auch weit und hat eins von zwei Autos abgeschafft und das Auto nur noch für Notfälle. 

Auf dem Land fällt der Umstieg manchen erstaunlich schwer, denn, weil man meint, ohne Auto gehe nichts, stehen (je nach Alter der Kinder) oftmals zwei bis drei Autos auf dem Hof, in der Straße oder auf dem Grundstück. Und dann nimmt man es auch für die kurzen Fahrten in den Ort zum Bäcker oder für Einkäufe. 

Jetzt, wo die Benzinpreise steigen, entdecken aber auch viele auf dem Land das Fahrrad für ihre Besorgungen.

31. August 2022

Wir brauchen das Schulfach Radfahren

Viele Kinder lernen heute Radfahren oft nicht mehr spielerisch in einer autoverkehrsarmen Sackgasse. Sie müssen dazu erst irgendwohin fahren, in den Schlossgarten zu einem Pumptrail oder in den Wald, was ohne Eltern nicht geht. Also radeln sie vielleicht mal am Wochenende. Oder nie.

Der VCD berichtet über einen Besuch des FahrRad-Botschafters Jakob Blasel bei Berliner Schüler:innen. Dabei ging es nicht um solche Hinderungsgründe fürs Radfahren wie eine mangelhafte Radinfrastruktur mit Radwegen oder Radstreifen, die im Nichts enden. Oder um die Umwege, die Kinder und Jugendliche zur Schule radeln, nur um nicht an einer wüsten Landstraße entlangfahren zu müssen, wo es keinen Radweg gibt. Erschüttert waren die Schüler:innen darüber, dass die fahrradfreundlichste Stadt über 500 000 Einwohner:innen, Bremen, beim Ranking der Städte nur die Note befriedigend erhalten hat. Den Schüler:innen waren insgesamt auch zu wenige Menschen mit dem Fahrrad unterwegs. Und nicht nur die Autofahrenden, sondern auch die anderen Radler:innen verhalten sich manchmal so, dass einem angst und bange wird. Die Radfahrprüfung in der 4. Klasse - so die Erkenntnis aus dem Gespräch - reicht eigentlich nicht aus. Nach ein paar Jahren, wenn man wirklich anfängt, als Jugendliche:r alleine durch die Gegend zu radeln, hat man vieles wieder vergessen. Von einem Nicht-Führerscheinbesitzer wird aber auch erwartet, dass er oder sie sich mit den Verkehrsregeln auskennt. 

29. August 2022

Was Radfahrende niemals tun sollten

Wer vom Auto aufs Fahrrad umsteigt, muss sein Fahrverhalten ändern. Vor allem muss man mit dem Fahrrad viel aufmerksamer fahren als mit dem Auto.  

Autos haben vier Räder und fallen nicht so schnell um, wenn es glatt ist oder wenn man mit einem Reifen auf ein unerwartetes Hindernis trifft. Fahrräder haben in der Regel nur zwei Räder. Wenn das Vorderrad wegrutscht, liegt man auf der Fresse. Wer im Auto fährt, ist gepanzert und verletzt sich selbst sehr oft nicht, wenn er oder sie Fahrfehler macht. Deshalb sind Autofahrende ziemlich sorglos unterwegs. Ein Radfahrer verletzt sich sofort selbst, wenn er mit einem Menschen, einem Fahrzeug oder einem Hindernis kollidiert. Für Autofahrende sind die Wege außerdem gebahnt, auffällig beschildert und Begegnungen an großen Kreuzungen per Ampeln organisiert. Radfahrende müssen sich ihre Wege oft selber suchen und können nicht sofort erkennen, wo es für sie weitergeht, welche Ampel gilt, und wo sie fahren und wo sie nicht fahren dürfen. Aus all diesen Gründen gilt: Aufpassen! Und: 

Vertraue dem Untergrund nicht! Wer Rad fährt, fährt Off-Road auch auf Straßen.

27. August 2022

Warum ist uns der Radverkehr so wenig wert?

Verkehr und Straßenbau fressen viel Geld. Der Autoverkehr verlangt das meiste, der Busverkehr übrigens noch mehr, dann kommen die Fußgänger:innen, das Fahrrad bekommt am wenigsten. 

W wie Wissen dröselt das detailliert auf. Wobei viele Kommunen gar nicht so genau wissen, wieviel Geld sie für die unterschiedlichen Verkehrssysteme ausgeben. Die Uni Kassel hat - wie ich auch schon mal berichtet habe - ein Verfahren entwickelt, wie Städte sich da einen Überblick verschaffen können. In die Kosten-Nutzen-Rechnung fließen auch die Gewinne für die Stadt, das Klima und die Gesundheit ein, die der Fuß- und Radverkehr erzeugen, oder eben die versteckten Kosten des Auto- und LkW-Verkehrs für Gesundheit und Stadtklima. Dazu gehören auch Krankenhauskosten oder Krankschreibungen, die nicht in den Budgets der Tiefbauämter auftauchen. Man kann sagen, dass Städte wie Kassel oder Heidelberg für einen Menschen, der Auto fährt zwischen 120 und 240 Euro pro Jahr ausgibt, für eine Person, die Bus und Bahn fährt, ungefähr genauso viel oder etwas mehr. Für einen Menschen, der zu Fuß geht, gibt die Stadt so um die 40 Euro aus und für die Person auf dem Fahrrad rund 6 Euro. 

25. August 2022

Wo darf das Lastenfahrrad parken?

Die Stadt Hamburg hat vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass Lastenräder am Straßenrand abgestellt werden dürfen, also auf den Plätzen, die Autofahrende als ihre eigenen und exklusiven betrachten. Das war schon immer so. 

Vermutlich haben alle schon ähnlich gespenstische Diskussionen geführt: Lastenräder auf dem Gehweg stören, sie blockieren Fußgänger:innen. Die sollten da nicht stehen. Antwort: Müssen sie auch nicht, sie dürfen am Straßenrand geparkt werden. Gegenrede: Aber da nehmen sie doch uns Autofahrenden den Parkplatz weg. 

Ja, so ist es halt: Lastenräder gehen nicht wieder weg, sie werden stattdessen immer mehr. Und wenn man damit einkaufen fährt, muss man sie irgendwo abstellen. Das geht meist noch, aber wohin mit dem Lastenrad zu Hause? Bislang trauen sich nur wenige, sich ein Lastenrad anzuschaffen, das sie nicht hinter Türen verschlossen auf dem eigenen Grundstück unterbringen können. (Wobei ich grundsätzlich zu einer Fahrradversicherung gegen Diebstahl raten würde, die viele Ängste nimmt und nicht teuer ist). Zunehmend richtet Stuttgart Lastenradparkplätze ein, wie hier in der Urbanstraße, wenngleich eine Baustelle das Schild gleich wieder versteckt. Theoretisch spricht aber auch nichts dagegen, Lastenräder wie Autos am Straßenrand zu parken. Das ist erlaubt. 

23. August 2022

Ein Rad fährt Boot

Auch ein Fahrrad will mal Boot fahren, die Weite des Bodensees genießen, sich den Wind durch die Speichen wehen lassen, den Schwänen zuschauen und chillen, ohne sich dabei selbst bewegen zu müssen. 

Gönnen wir es ihm. Es mag natürlich auch sein, dass die Kapitän:innen dieses Boots Angst um ihren Göppel hatten und ihn darum mitnahmen. Oder dass sie irgendwann irgendwo anlegen wollten, wo man das Fahrrad dann braucht. Aber nur eines? Ist man auf so einer kleinen Jacht alleine? Also wird man es wohl nur für Besorgungen brauchen, nicht für Ausflüge an Land. 

Viel Vergnügen, wünsche ich. 

21. August 2022

Ein beinahe ungetrübtes Radfahrglück - Böblinger Straße

Endlich, endlich! Gut zweitausend Radfahrende täglich können jetzt schön die Böblinger Straße rauffahren, ohne von zu eng überholenden Autos bedrängt zu werden. Der Radfahrstreifen ist da. 

Der mit Anwohner:innen, Radfahrenden und der Verwaltung ausgehandelte Radstreifen bergauf und bergab ist fertig. Es fehlen nur noch einige Markierungen auf dem Radstreifen selbst, und ich hoffe, dass auch der Asphalt dort noch schön neu und glatt gemacht wird. Dieser Radfahrstreifen anstelle des Parkstreifens, der dort war, ist bequem und breit und hat außerdem einen Sicherheitsstreifen links zum Autoverkehr, der ebenfalls etwas mehr Platz hat. Enges Überholtwerden ist damit Geschichte. Und das war auch das Problem, dieser viel beradelten Strecke, die nicht nur Vaihingen mit der Innenstadt verbindet, sondern auch von vielen Pendler:innen zwischen Sindelfingen oder Böblingen und Innenstadt benutzt wird. Hier war bisher ein schmaler alter sogenannter Schutzstreifen zwischen geparkten Autos und Autofahrbahn. Eigentlich ist der Schutzstreifen ja Teil der Fahrbahn, Autofahrende durften Radfahrende hier nicht überholen, weil der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden konnte. Aber auch zusätzlich aufgestellte Überholverbotsschilder von Zweirädern halfen nicht wirklich. Immer wieder hatten Radfahrende hier eine Nahtoderfahrung, wenn ein Lkw mit 30 Zentimetern vorbeizog, während rechts jeden Moment eine Autotür hätte aufgehen können. 

Das ist jetzt weg, das ist behoben. Und es ging vom Beschluss zur Ausführung auch sehr schnell. Wir sind glücklich - also ich zumindest. Der Beginn der neuen Ära des Radfahrendes auf der Böblinger Straße ist allerdings noch mit ein paar Anfangsschwierigkeiten verbunden. Noch parken immer wieder Autos auf dem Radfahrstreifen. Hier die ganze Geschichte: 

19. August 2022

Radfstreifen Böblinger Straße - heute Nachmittag Ortstermin

Quelle ADFC
Es klappt noch gar nicht mit dem neuen Radfahrstreifen die Böblinger Straße aufwärts. Es wird munter geparkt. Viele erleben die Radfahrt als gefährlicher als vorher auf dem zu schmalen Schutzstreifen. 

Ich bin heute Nachmittag (Freigag) so ungefähr zwischen 16 und 17:30 Uhr dort (Strecke ab Waldeck aufwärts) und lade alle ein, die Zeit und was zu sagen haben, vorbeizukommen. Wenn es Polizei und städtischen Ordnungskräften nicht schnell gelingt, den Radfahrstreifen von parkenden Autos feizuräumen und freizuhalten (und sei es auch nur ein einziger, der da parkt), dann werden wir da sehr zeitnah physische Fahrbahnbegrenzungen zum Radstreifen brauchen. Ein paar Monate zuwarten wollen und können wir da nicht.