5. September 2023

Der Kampfradler ist ein Hirngespinnst

Es gib ihn nicht, meint Steffen auf Bikefolks. Er existiert gewissermaßen nur in den Medien, dort aber so prominent, dass es bei Wikipedia sogar einen eigenen Eintrag dazu gibt. 

Dem angeblich rücksichtslos missionarischem Radler widmete die Süddeutsche Zeitung 2018 eine böse Glosse, mit der sie sicherlich die Vorurteile vieler Menschen nicht nur bestätigt, sondern auch noch tief befriedigt haben dürfte. Es ist ja so viel einfacher, Wut und Hass bei Menschen zu wecken als Verständnis und Kenntnis, und nichts taugt dazu so gut, wie der Radfahrer (sehr selten die Radfahrerin) permanenter Störfaktor in unserem Verkehrssystem, das strukturell vollständig aufs Auto ausgerichtet ist. 

3. September 2023

Probleme mit dem Sattel kann man lösen

Manche fahren nicht gern Fahrrad. Wenn man dann nachfragt, warum eigentlich nicht, kommt immer mal wieder heraus, dass sie Sitzprobleme haben, die Geschlechtsteile werden taub oder schmerzen.  

Wenn bei den Tagestouren, die wir im Urlaub vielleicht gemacht haben, der Hintern weh tat, dann müssen wir nicht aufgeben, sondern einen anderen Sattel suchen, der passt. Das ist nicht immer leicht, aber möglich. Frauen brauchen nicht grundsätzlich andere Sättel als Männer, sie brauchen beispielsweise keine breiteren, sie müssen aber unter Umständen auf andere Details achten. 2020 habe ich darüber ausführlich geschrieben. Hier der Artikel zum Wiederlesen. 

1. September 2023

Radfahren verändert unsere Denkweise

Wer nur das tut, was er/sie immer getan hat, bleibt, was er/sie ist. Mag sein, dass manche das gut finden. 

Doch die meisten Menschen sehnen hin und wieder nach einem Ausbruch aus dem Alltagstrott. Sonst würden sie nicht so viel reisen. Aber die große Reise kann auch eine ganz einfache sein. Mit dem Radfahren anfangen.  

Radfahren verändert unsere Denkweise. Zunächst wird man sich seiner körperlichen Verfassung bewusst, dann spürt man, dass man sie positiv verändern kann. Man konzentriert sich etwas mehr auf das, was einem gut tut, gutes Essen, mehr Bewegung, Licht und Luft. Der eigene Lebensstil wird etwas gesünder. Wenn wir radeln, sind wir von Menschen umgeben, die sich mehr bewegen und gesünder sind und Freude an dem haben, was sie tun. Das färbt auf uns ab und macht uns zufriedener. Wir blicken mit wacheren Augen auf die Welt und das seltsame Verkehrschaos, das unsere Autowelt in den Städten angerichtet hat. Wir kommen mit anderen Radfahrenden ins Gespräch, wir fahren mal eine Critical Mass mit, wir finden Leute, die sich für besserer Radverkehrsstrukturen einsetzen, und machen mit.  

Oder auch nicht, wir radeln lieber alleine für uns und beobachten Veränderungen an unserem Körper.

30. August 2023

Fahrradfreundliche KI-Ampel in Hamm

Foto Apple Maps
In Hamm steht seit Juli die erste Ampel Deutschlands, die sich auf den Radverkehr einstellt.  Eine sogenannte künstliche Intelligenz steuert den Verkehr und soll vor allem für Radfahrende die Wartezeiten verkürzen. 

Einem Bericht der wa.de/NRW zufolge wurden rund um die Kreuzung an den Masten Kameras installiert, die die Umrisse aller Verkehrsteilnehmenden erfassen und errechnen, wie lange die brauchen, bis sie da sind, um dann gegebenenfalls eine Grünphase zu verlängern, damit der Radler noch drüber kommt. Das scheint tatsächlich zu funktionieren, wie dieser Selbstversuchbericht zeigt. Radfahrende, aber auch Fußgänger:innen äußern sich zufrieden. Außerdem soll das System lernen, wie an dieser Kreuzung der Verkehr funktioniert und die Ampelschaltung selbst optimieren. Nach Angaben der Stadt liegt der Fokus darauf, dass die Radfahrenden nicht so lange warten müssen. Solche Ampeln soll es sonst nur noch in Wien und Salzburg geben. 

Die Ampeln stehen an der Kreuzung Marker Allee und Heßlerstraße in Hamm. Die, die auf der Marker Allee unterwegs sind, haben dabei wohl eindeutige Vorteile gegenüber denen, die auf der querenden Heßlerdtraße fahren und gehen.

28. August 2023

Platz freihalten für Radler:innen? Och nö!

In der Kolbstraße bergauf Richtung Lehen gab es mal einen Radfahrsreifen mit schönem vorgezogenem Aufstellplatz. Der Streifen wurde bald vom Gerüst am Eckhaus überbaut. Nun ist es dort nicht mehr schön. 

Autofahrende haben außerdem so ihre Probleme mit der roten Fläche für den Radverkehr und machen damit Radfahrenden Probleme. Häufig fahren sie mit ihrem Auto über ihre Haltelinie hinweg auf den roten Aufstellplatz. So ganz klar ist mir nicht, warum es ihnen so schwer fällt, diese Fläche einfach freizuhalten und an ihrer eigenen Haltelinie zu halten. Die Ampel sehen sie ja trotzdem. Und schneller geht es auch nicht. 

Da Radfahrer rechts nicht mehr durchkommen, fahren sie oft links an den wartenden Autos vorbei und quetschen sich dann vor den Kühler. Dass dieser Aufstellplatz durchaus gebraucht wird, sieht man auf dem Foto oben deutlich, auch wenn einer unter den Radfahrern ein Mopedfahrer ist, der da auch nicht hingehört. 

26. August 2023

Als ob der Radverkehr das Problem wäre

Mit offen Armen empfängt ihn keine Stadt. Wenn er da ist, wird er zähneknirschend irgendwo untergebracht. Am liebsten hätte man ihn nicht. Berlin will Radverkehrsanlagen zurückbauen. Stuttgart halbiert die Fläche einer Hauptradroute für eine Außengastronomie. 

Für einen ernstzunehmenden Individual-Verkehr, der Autofahrten ersetzt, hält man den Radverkehr immer noch nicht - fast immer, wenn von "Verkehr" die Rede ist, ist der Autoverkehr gemeint - und steckt ihn deshalb gern zu den Fußgänger:innen auf die Gehwege. Als ob alle Radfahrten Spazierfahrten wären, als ob nicht längst viele Arbeitswege täglich mit Fahrrädern zurückgelegt würden. Offenbar soll der Radverkehr nichts ändern an der Kräfteverteilung in unserer Verkehrswelt, also der Dominanz des Autos über allem. Obwohl ein starker Radverkehr erheblich dazu beitragen könnte, die Treibhausgasbilanz des Verkehrssektors zu verbessern, versuchen die Autolobbyisten ihn zu problematisieren oder wegzudiskutieren: Radfahrende müssten sich erst mal an die Verkehrsregeln halten und das Fahrrad sei ein Schönwetterfahrzeug. Wenigstens im Winter scheint die alte Verkehrswelt noch in Ordnung, was allerdings ein Irrtum ist. Es hält sich auch der Irrglaube hartnäckig, dass eine Fahrradstraße zum Niedergang des örtlichen Handels führt, weil dafür einige Parkplätze wegfallen.

24. August 2023

Die Katze auf dem Radweg

Als ich an einem Samstagvormittag Richtung König-Karls-Brücke radelte, sah ich diese Katze auf dem Radweg rekeln. Sie genoss es. 

Ich fuhr sehr langsam, weil ich Angst hatte, dass sie im letzten Moment erschrocken aufspringt. Das tat sie aber nicht. Der nächste Radler kam und fuhr vorbei. Eine Fußgängerin bestaunte die Szene. 

Die Katze hatte offensichtlich keine Angst vor den Radler:innen, sie war sich sicher, dass sie gesehen wird und man an ihr vorbei fährt. Ähnlich verhalten sich auch die Graugänse und Nilgänse im Schlossgarten. Sie stehen auf dem Geh-/Radweg herum und alle Radfahrenden fahren links und rechts an ihnen vorbei, ohne dass sie flattern oder flüchten. Sie wissen, dass Radfahrende sich nach ihnen richten. Die Reaktionen von Fußgänger:innen auf Radfahrende sind oftmals nicht so gelassen. Eine nicht geringe Zahl glaubt nicht, dass sie von uns Radfahrenden gesehen und nicht über den Haufen gefahren wird. Ich will nicht ausschließen, dass Fußgänger:innen oder Radfahrende die Gänse im Schlossgarten auch mal zum Flattern bringen, und es gibt durchaus Zusammenstöße zwischen Fußgänger:innen und Radfahrenden, allerdings extrem viel weniger als die von Autos mit Fußgänger:innen. 

22. August 2023

Vision Zero ist keine unerreichbare Utopie

Der Begriff Vison Zero meint, dass im Straßenverkehr niemand mehr schwer verletzt oder getötet wird. 

In Baden-Württembrg kommt etwa jede Woche ein Radfahrer oder eine Radfahrerin ums Leben und pro Stunde passiert ein Fahrradunfall mit Personenschaden oder heftigem Sachschaden. Wir wissen, dass um so weniger Menschen im Straßenverkehr ums Leben kommen, je langsamer der Autoverkehr utnterwegs ist. Tempo 30 in Städten ist gut für Fußgänger:innen und Radfahrende und deren Angehörige, es gibt weniger Trauerfälle und Krankenhausaufenthalte (Brüssel hat im ersten Jahr die Zahl der Todesopfer halbiert). Wir Radfahrende kennen darüber hinaus das Risiko, das vom ruhenden Autoverkehr ausgeht etwa durch plötzlich geöffnete Autotüren oder rückwärts Ausparken. 

Auch indirekt stellt der Autoverkehr Gefahren für uns dar, solange Radfahrende über schlechte Radwege und enge und unübersichtliche Parkwege geschickt werden und wenn auf ihrem Schutzstreifen Schlaglöcher oder Asphaltrillen sind oder Radwege nicht von Laub oder Schnee und Eis befreit werden und Radfahrende darum ohne Fremdbeteiligung stürzen. Außerdem muss es andere Radführungen und Ampelschaltungen an Kreuzungen geben, denn viele Zusammenstöße von Autos mit Fahrrädern passieren, wenn der Autoverkehr den Radverkehr kreuzen muss. 

Doch auch wenn die Radwege alle glatt wären, wird nicht jeder Alleinunfall eines Radhfahrers oder einer Fußgängerin zu verhindern sein, auch Radler:innen oder Fußgänger:innen machen Fehler, sehen Hindernisse nicht und stürzen, zuweilen mit tödlichen Folgen. Sichere Kreuzung und eine Verlangsamung des Autoverkehr senkt die Zahl der Zusammenstöße jedoch deutlich.

Die Vision Zero ist keine unerreichbare Utopie.

20. August 2023

Ein Kodex für Radfahrende?

Für Alltagsradler:innen gibt es keinen Kodex. Wenn es so was gibt, dann im Radrennsport oder für in Vereinen organisierte Mountainbiker:innen. Oder er wird mal kurz von einem Radverleiher erstellt. 

Die Kodexe, die ich gesehen habe, mischen munter Eigenschutz-Aspekte wie Helme und Tagfahrlicht mit dem Verhalten auf der Straße oder Fahrradbeherrschung und mit Vorfahrtsregeln. Manchmal denke ich mir, es wäre doch auch für uns Alltagsradler:innen gut, wenn wir uns auf einen Kodex verständigen würden, den wir untereinander hochhalten. 

Und das ist das, was mir am Wichtigsten erscheint: