17. Oktober 2023

Wenn Poller fehlen, fahren Autofahrer weiter

Seit einigen Wochen ist die Radschleuse Tübinger-, Ecke Feinstraße wieder so hergerichtet, wie sie vor der Baustelle war. Die Radfahrstreifen führen links und rechts an einer Verkehrsinsel vorbei. 

Alles sehr hübsch. Leider fehlen die Poller an der Verkehrsinsel. Und schon haben etliche Autofahrende für sich entdeckt, dass man jetzt auf der Tübinger Straße wieder vom Marienplatz bis zum Gerber mit durchbrausen kann. Ich habe am Sonntag dort einen Autofahrer mit auswärtigem Kennzeichen (nicht das Auto auf dem Foto) getroffen, dem ich sagte, hier dürfe er nicht fahren. Er wollte wissen, woran er das erkennt. Es war ihm übrigens egal, er drehte nicht um, sondern fuhr weiter. 

15. Oktober 2023

E-Räder und gute Infrastruktur helfen Frauen aufs Fahrrad

Pedelecs, auch E-Bikes genannt, erhöhen den Anteil von Frauen, die Fahrrad fahren. Und wo nur wenige Menschen Fahrrad fahren, ist der Anteil von Frauen noch einmal deutlich niedriger als der von Männern.

Das haben Forschende beim Blick auf Neuseeland ermittlt. Fehlt die Radinfrastruktur und müssen Menschen sich die Flächen mit einem starken Autoverkehr teilen und sich dort durchsetzen, sind eher männliche assoziierte Eigenschaften gefragt: eine gute Fitness, gute Radbeherrschung, Bereitschaft zum Schnellfahren und Risikotoleanz. Über diese Eigenschaften definieren sich deutlich weniger Frauen als Männer. Sie bevorzugen Radwege, die vom Autoverkehr getrennt sind oder deutlich weniger Durchsetzungsstärke erfordern. Wenn Frauen sich Pedelecs kaufen können, dann fahren auch deutlich mehr Frauen Fahrrad. Denn es macht das Radfahren unter Fitnessaspekten leichter. Sie müssen sich allerdings die Anschaffung teuer Pedelecs leisten können.

Die TU Dresden hat sich die Frage gestellt, ob Radfahren eine Gender-Frage ist.

13. Oktober 2023

Sharrows auf der Schickardtstraße helfen nicht

Ein Verkehrsversuch funktioniert vermutlich nur, wenn man ihn den Teilnehmenden auch erklärt. Auf der Schickardtstraße sind bergauf zum Schwabtunnel gelbe Sharrows auf die Fahrbahn gemalt worden. Aber was heißt das jetzt?

Die Sharrows auf der Fahrbahn sollen allen - Radfahrenden und Autofahrenden - zeigen, dass hier Radfahrende unterwegs sind und sein sollen und dass sie sich dabei den nötigen Platz auf der Fahrbahn nehmen können und auch müssen.

Ich habe mich da gegen 18 Uhr eine Weile hingestellt und die Situation auch von der Terrasse des Generationenhauses aus beobachtet. Die Straße ist eigentlich wichtig für Radfahrende, die vom Süden in den Westen fahren wollen. Aber sie wird ungern benutzt. Sie ist unangenehm, weil Autofahrende dazu neigen, viel zu eng zu überholen. Leider auch im Tunnel. Die Radfahrenden nehmen den Überholdruck vorweg und fahren ziemlich dicht am rechten Bordstein. Daran ändern die Sharrows nichts.

11. Oktober 2023

Das radfahrende Museum

Uwe fährt Fahrrad. Aber nur mit solchen vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Ich traf ihn an einem sonnigen Sonntag im Schlossgarten. 

Er sagte mir, das Rad sei ein Stürmer von 1930. Über zweihundert historische Fahrräder besitzt er, etliche von vor dem ersten Weltkrieg, darunter alte Adler, alte Falter und ein Penny Farthing, auch Witwenmacher genannt, ein Hochrad, das er fahren kann und auch gelegentlich fährt. 

Seine Liebe zu historischen Fahrrädern begann in seiner Kindheit in den siebziger Jahren. Er hatte eine Tante, die ein altes Fahrrad hatte und ihm auslieh. Er fand, es fahre sich besser als die damals neumodischen Räder. Ende der neunziger Jahre kam ihm wieder ein altes Fahrrad unter, das er kaufte. Und dann wurden es sehr schnell immer mehr. Er reiste durch die ganze Republik, um Vorkriegsfahrräder zu kaufen. Inzwischen sind es über zweihundert, die er bei sich zu Hause und in verschiedenen Schuppen lagert. Es dürfte eine der größten Sammlungen alter Fahrräder in Deutschland sein. 

9. Oktober 2023

Wenn Lastwagenfahrer einfach mal neue Verkehsregeln aufstellen

Blogleserin Wibke hat mir einen Brief geschrieben, in dem sie sich über Warnaufkleber auf Tansportern, Bussen und Lkw wundert, die sich an Radfahrende richten. 

Sie hat mit auch ein Foto geschickt. Man sieht einen Lkw, auf dem rechts ein Dreieck klebt, auf dem steht: "Fahr niemals rechts vorbei!" Darunter das Signet der Dekra. Sie hat aber auch Amazon-Fahrzeuge gesehen, auf denen ein Aufkleber mit einem Fahrrad und der Ansage klebt, dass Radfahrende beim links-Vorbeifahren am stehenden Fahrzeug aufpassen sollen. 

Auch wenn wir Radfahrende uns im Eigeninteresse immer der Gefahr bewusst sein müssen, die von Lkw-Fahrern für uns ausgeht, die beim Abbiegen nicht in die Rückspiegel gucken, so zeigt sich hier wieder der Versuch, die Opfer für die Fehler der Autofahrenden verantwortlich zu machen. Und zwar, weil es den Lkw- oder Bus-Fahrern offenbar lästig ist, wenn sie sich ständig vergewissern müssen, ob am rechten Straßenrand (wo der Autoverkehr die Radfahrenden ja so gerne haben will (nicht in der Mitte)) ein Radler oder eine Radlerin unterwegs ist. Aber dürfen Autofahrende - und dazu gehören Lkw-Fahrende auch - einfach so per Aufkleber Befehle an Verkehrsteilnehmende erteilen? Fahrt nicht an mir vorbei! Überholt mich nicht! 

7. Oktober 2023

Radfahrende sind keine Verlegenheitsfußgänger:innen

Eine Radlerin fährt an eine rote Ampel heran und wartet. Die Ampel wird aber nicht grün. Sie wartet nach eigener Aussage minutenlang. Dann fährt sie vorsichtig los, obwohl noch rot ist. Die Polizei erwischt sie und kassiert ein Bußgeld von 100 Euro. 

So geschehen in Hamburg. Wie der Spiegel berichtet, sah die Polizei einen vorsätzlichen Rotlichtverstoß. Die Radfahrerin sah das nicht so und fragte sich, was sie tun soll, wenn eine Ampel nicht grün wird. Sie wehrte sich gegen das Bußgeld, die Behörde bestand auf der Zahlung und sie ging vor Gericht. Das Amtsgericht gab den Behörden Recht. Die Radlerin hätte schließlich auch ihr Rad über den parallelen Fußgängerüberweg schieben können. Dagegen legte sie Beschwerde beim Oberlandesgericht ein. Und das sah die Angelegenheit sehr viel differenzierter und verwies die Sache ans Amtsgericht zurück. Die Geldbuße muss zumindest reduziert werden. 

Zwei Argumente sind für uns Radfahrende sehr interessant, vor allem das zweite: 

5. Oktober 2023

Ohne Versenkpoller für die Hofener Straße geht es nicht

Die Hofener Straße in Cannstatt entlang des Neckars war am 3. Oktober für dieses Jahr zum letzten Mal für Autos gesperrt und für Radfahrende reserviert. Die Sperrung beginnt am 1. Mai und gilt nur für den Sonntag. 

Grund ist, dass man Spaziergehenden den Gehweg von Radfahrenden freihalten will. Gerade an sonnigen Sonntagen sind hier viele Menschen zu Fuß, aber auch sehr viele Menschen auf Fahrrädern unterwegs. Das klappt, aber es klappt nicht besonders gut. Viele Radfahrende checken nicht, dass sie an diesen Tagen auf die Fahrbahn müssen, weil der Gehweg (per Verkehrszeichen!) dann für sie verboten ist. Autofahrende checken durchaus, dass die Durchfahrt verboten ist: Es stehen Schranken mit eindeutigen Verkehrszeichen an beiden Enden der Straße. Viele wenden dann, viele aber wollen das nicht akzeptieren. Sie umrunden sie Sperren und fahren weiter. Reinfahren dürfen die Weinbaunern. Und die dürften sich freuen, dass sonntags die Hofener Straße für den Autoverkehr gesperrt ist. So können sie ihre Fahrzeuge bei der Lese massenhaft am Straßenrand abstellen. Was ja auch nur den Radverkehr behindert. 

Die Durchfahrt mit Autos aber ist verboten. Das interessiert notorische Verkehrsregel-Missachtende allerdings nicht. Und statt sich dem Tempo der vielen Radfahrenden anzupassen, versuchen dann auch noch etliche Autofahrer bei erster Gelegenheit zu überholen. 

3. Oktober 2023

Kommt in die Pötte mit dem Radverkehr, es eilt!

Fancy Women Bike Ride im Schwanenplatzunntel
Wenn wir für 35 % all unserer Fahrten ein Fahrrad statt Auto, Bus oder Bahn nutzen würden, könnten wir den Earth Overshoot Day um 9 Tage nach hinten verschieben.

Das hat Earthovershoot-Day errechnet. Damit die Leute Fahrrad fahren statt motorisiert, fügt die Seite an, braucht es allerdings eine einladende und durchgängige Radinfrastruktur. 

Dieses Jahr war der Weltüberlastungstag der 2. August. Ab diesem Tag verbrauchen wir mehr Ressourcen als die Erde hat. Der Deutsche Erdüberlastungstag liegt im Mai, wir verhalten uns so, als hätten wir 3 Erden zur Verfügung, die Weltbevölkerung verbraucht im Jahr 1,7 Erden. Dabei schlägt vor allem der CO2-Fußabruck zu Buche. Paradoxerweise können die Folgen der Klimaerhitzung in Deutschland dazu führen, dass mehr Menschen länger im Jahr Fahrrad fahren, denn das Fahrrad ist bei uns (noch) ein Schönwetter-Fahrzeug.

1. Oktober 2023

Das Fahrrad am Bahnhof parken

In Karlsruhe sieht man, wie wichtig es ist, dass Fahrräder gleisnah an Hauptbahnhöfen abgestellt werden können. 

Karlsruhe hat den Bahnhofsvorplatz weitgehend von Autos befreit. Es gibt einen überdachten Fahrradparkplatz, der knallvoll ist. Hier stehen auch viele Räder für längere Zeit, was man an den zahlreichen Zetteln (Collage weiter unten) sieht, die die Stadt regelmäßig verteilt mit der ultimativen Aufforderung, das Rad zu entfernen, damit Platz für die Räder derjenigen ist, die ihr Rad am Morgen abstellen und am Abend damit wieder wegfahren wollen.