4. April 2022

Mit Kindern radfahren - Stress pur

Ich sehe in Stuttgart auf meinen Alltagsfahrten etwa so viele Frauen auf Fahrrädern wie Männer.

Am Sonntagmorgen sind die Männer in der Überzahl, später machen sich die Familien mit Kindern auf den Weg, dann kommen die Pulks auf Rennrädern. Auf Pendlerstrecken sind beide Geschlechter im ähnlichen Modus unterwegs, nämlich so schnell wie möglich. Auch die Fahrräder unterscheiden sich nicht groß. Frauen fahren mit Diamanträdern, Männer mit Rädern mit tieferem Einstieg. Der Unterschied beginnt, wenn die Frauen Kinder bekommen haben. 

2. April 2022

Kein Respekt vorm roten Teppich

In der Kolbstraße, die von der Tübinger Straße Richtung Lehenviertel hochgeht, sind neue Fahrbahnmarkierungen entstanden, die den Radfahrenden das Leben deutlich erleichtern. Aber die meisten Autofahrenden stehen auf der roten Fläche. 

Hier stellte man sich als Autofahrer, wenn man clever sein wollte, vorher zweireihig an der Ampel auf und blockierte dabei oft auch den die Bergabradspur mit den entgegenkommenden Radler:innen. Nun ist es ein bisschen anders. Aber es fällt so manchen Autofahrenden doch echt richtig schwer, zu erkennen und einzusehen, dass jetzt hier etwas anders ist.  

31. März 2022

Wilhelmsbrücke in Cannstatt ist Fahrradbrücke geworden

Seit Montagabend ist die Wilhelmsbrücke in Cannstatt für den Autoverkehr gesperrt. Die Fahrbahn ist jetzt der Radweg. 

Auf dem Gehweg durfte man ja nie mit dem Rad über die Brücke fahren, genau das haben aber viele gemacht, weil die Fahrbahn eng ist und man zwischen den Autos radelte, die sich dann an den Ampeln stauten. Wie sich das so entwickelt, werde ich weiter beobachten.  

Es zeichnet sich allerdings schon mal ab, dass der Poller so steht, dass Autofahrende sich trotzdem durchdrängeln können. Gestern Abend wurde der modale Filter so gestaltet, dass das nicht mehr möglich ist. Und wieder wird das, was Autofahrende an absolut illegalem Verhalten hindern soll, auch zum Hindernis für den Radverkehr. Das Foto (unten) wurde vom Zweirat auf Twitter gepostet. 

29. März 2022

Zwanzig Argumente gegen Radwege

Parkplätze oder Radweg? Wir führen immer die gleichen Diskussionen mit den gleichen Argumenten. 

Und wir, die wir verstanden haben, dass im Zuge der Mobilitätswende der Radverkehr ausgebaut werden muss, sind immer wieder fassungslos und sprachlos.

Stets gibt es eine stille Mehrheit, die auf die Verbesserung der Radverkehrsanlagen wartet und sie gutheißt. Diese Mehrheit bekundet einmal ihre Zustimmung und bleibt der weiteren Diskussion dann fern. Diese Diskussion wird danach von einer lauten und emotionalen Minderheit beherrscht, die ihren Parkplatz retten will und typische Argumente benutzt. Sie beginnen immer so: 

Ein Radweg ist ja ganz nett, aber ..., Ein Radweg ist sicher notwendig, aber ..., Ich sehe ja ein, dass da etwas getan werden muss, aber ... Und schließlich: Ich fahre selber Fahrrad, aber ... 

Dann werden alle möglichen Argumente gegen den Radweg oder Radstreifen hervorgeholt, die zum Ziel haben darzulegen, dass Parkplätze zur Daseinsvorsorge einer Stadt gehören müssen.  

27. März 2022

Esslingen hat schon mal ne Fahrradzone

Esslingen hat jetzt von einem Format Gebrauch gemacht, das die neue StVO erlaubt: der Fahrradzone.  Sie umfasst in Oberesslingen die ganze Gartenstadt und die Breslauer Straße mit ihren Nebenstraßen.

Damit die Regeln auch allen klar werden, hat man Banner aufgestellt, die per Piktogramm erklären, dass Radfahrende nebeneinander fahren dürfen (was sie an sich sonst auch dürfen, wenn sie keinen Autofahrer am legalen Überholen hindern), dass man nicht schneller als 30 km/h fahren darf, und dass die Radfahrenden das Tempo in diesen Straßen vorgeben. Auf dem Piktogramm wird das Auto hinter der Radlerin zum Schatten. 

25. März 2022

Hoffnung und Enttäuschung am Hauptbahnhof

Für Radfahrende ist der Hauptbahnhof Stuttgart ein Graus. Die Lage ändert sich immer wieder. Auch die bereits fertig gestellte Verkehrsinsel an der Lautenschlager Straße dürfte sich verändern. 

Die Malerei auf der harschen Abbiegung für Radfahrende aus der Lautenschlager Straße zur Ampelanlage Richtung Hauptbahnhof lässt simmerhin schon mal hoffen, dass die Ecke abgeschrägt wird. Schön wäre es, wenn auch der Bordstein nicht so reinhauen würde, wie er derzeit reinhaut. 

Die Vorbeifahrt am Haupteingang des Hauptbahnhofs ist immer häkelig gewesen und wird auch in den nächsten Jahren nicht besser.

23. März 2022

Radfahren ist Wow

Aus der Reihe: Was kein Autofahrer kann. Nur ein Radfahrer kann sein Fahrrad direkt an der Tür seines Ladens parken. 

Das schöne Fahrrad ist am Türgriff angeschlossen. Und weil Rahmen und Lenkerbänder die Farben des Ladens tragen, gehe ich davon aus, dass der Ladenbesitzer oder die Ladenbesitzerin uns auf diese Weise charmant sagt: "Bin gerade nicht da. Komme aber wieder. Nur wann, ist ungewiss. Jedenfalls ist jetzt geschlossen." 


21. März 2022

Die unsichtbare Mehrheit auf unseren Straßen

Fahrende Autos mit meist nur einem Menschen darin stellen in Stuttgart eine Minderheit dar. Dennoch glauben die Verteidiger der Autostadt immer, sie seien die Mehrheit. 

Tatsächlich bewegen sich in einer Großstadt an einem Tag nur rund 30 Prozent im eigenen Auto durch die Stadt, in manchen Städten auch weniger. In Stuttgart fuhren 2017 31 Prozent Auto, 29 Prozent gingen zu Fuß, 8 Prozent fuhren Fahrrad und 23 Prozent Bus und Bahn. Die rund 30 Prozent in Autos brauchen für ihre Art der Fortbewegung allerdings den meisten Platz, nämlich knapp 60 Prozent der Verkehrsflächen fürs Fahren und Parken. Ist jetzt keine Überraschung, wissen wir eigentlich. Nur, wir sehen es nicht. 

19. März 2022

Nur mal so nebenbei bemerkt ...

Mit dem Tetris-Radweg in Berlin-Zehlendorf können wir nicht mithalten. Den ersten Preis für den "Radweg des Jahres" gewinnen wir auch nicht. 

Aber, wenn ich mir den Radweg Holzstraße (Hauptradroute 1) so anschaue, bekämen wir vielleicht den dritten Platz. Oder doch vielleicht nur den undankbaren vierten? 

Dabei habe ich doch den Rotbelag noch ein bisschen nachgefärbt, damit es optisch deutlicher wirdt. 

Übrigens hörte ich mal von einem Verwaltungsangestellten, dass er sich Gedanken mache, über das Versetzen der Laternenmasten zur Begradigung des Radwegs. Das ist jetzt auch schon vier Jahre her.